Lehrergewerkschaft kritisiert Arrest für Schulschwänzer

Klassenraum in einer Schule (Archiv)

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat die Praxis mehrerer Bundesländer kritisiert, uneinsichtige Schulschwänzer mit Jugendarrest zu bestrafen. Die GEW-Vorsitzende Anja Bensinger-Stolze bezeichnete gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland die Inhaftierung Jugendlicher wegen wiederholten Schulschwänzens als schulpolitische und pädagogische Bankrotterklärung. Zudem sei diese Maßnahme nach ihrer Darstellung weitgehend wirkungslos oder sogar kontraproduktiv. Bensinger-Stolze forderte, der Schwerpunkt müsse auf Prävention statt Intervention und auf Pädagogik statt Strafe liegen

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Kritik der GEW an Jugendarrest für Schulschwänzer

Die Gewerkschaft Erziehung und wissenschaft (GEW) hat die Praxis mehrerer Bundesländer kritisiert, uneinsichtige Schulschwänzer mit Jugendarrest zu bestrafen. Dass Jugendliche wegen⁤ wiederholten Schulschwänzens für einige Tage ins Gefängnis müssten, sei im prinzip eine schulpolitische und pädagogische Bankrotterklärung und zudem häufig wirkungslos oder sogar​ kontraproduktiv, sagte die GEW-Vorsitzende Anja Bensinger-Stolze dem „Redaktionsnetzwerk ⁣Deutschland“ (RND).

Forderung nach ​Prävention statt Strafe

Bensinger-Stolze forderte, den Fokus auf Prävention statt Intervention und auf Pädagogik statt Strafe zu legen.⁢ Um Schulabsentismus vorzubeugen,seien​ aus ihrer‍ Sicht drei ⁢Punkte notwendig: ein schulisches Präventionskonzept,eine Art Frühwarnsystem sowie eine individuelle Betrachtung der ⁣Ursachen.

Zunahme von Schulverweigerung

Die Zahl der Schulverweigerer hat experten zufolge in‌ den vergangenen Jahren zugenommen.Besonders betroffen sind demnach Kinder aus sogenannten bildungsfernen und benachteiligten Familien.

Jugendarrest in den Bundesländern

Hohe Zahlen in Niedersachsen

In Deutschland landen jedes Jahr Hunderte Schülerinnen und Schüler im Jugendarrest. Niedersachsen ist‍ bundesweit Spitzenreiter. Dort müssen im Vergleich zu anderen Ländern besonders viele Jugendliche wegen Schulverweigerung ihre‍ Freiheit einschränken. allein ‍im ‍ersten halbjahr 2025 waren es 241 Arrestanten und 114⁣ Arrestantinnen, wie eine ⁤Anfrage des RND ergab. in diesen Zahlen sind auch Bremer Schülerinnen und Schüler enthalten, da das Land Bremen keinen eigenen Jugendarrest hat und dieser stattdessen ‍in Niedersachsen vollzogen ‍wird.

Situation in weiteren Ländern

Hinter Niedersachsen liegt Hessen mit aktuell 48 ​Jugendlichen im Jugendarrest (Stand Oktober 2025). In ‌den Jugendarrestanstalten in baden-Württemberg waren es zum Zeitpunkt der ⁤Abfrage 33 Jugendliche in diesem jahr, in ​Thüringen 25, in Schleswig-Holstein 14 und​ in Sachsen zwei als Schulverweigerer erfasste Jugendliche.

In Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, Hamburg und dem saarland gibt ‌es nach den​ Angaben keine aktuellen Fälle. Bayern, Berlin, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen erheben keine Zahlen zu möglichen Schulverweigerern im Jugendarrest.​ Das Justizministerium Sachsen-Anhalt ⁤hat auf die Anfrage des RND ⁢nicht geantwortet.

Reaktion des Justizministeriums Niedersachsen

Das niedersächsische Justizministerium verteidigte die Praxis des Jugendarrests bei Schulabstinenz. Der Arrest für Schulabstinenzler sei ein grundsätzlich taugliches Mittel, um auf Jugendliche einzuwirken. Grundsätzliche fachliche Bedenken ⁣gegen das​ derzeitige Sanktionierungssystem bestünden ‍nach Angaben des Ministeriums nicht.

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