Die Stahlpreise in Europa sind seit Beginn des neuen Zollregimes gestiegen. Berechnungen der Boston Consulting Group (BCG), über die der „Spiegel“ berichtet, zeigen, dass der preis von Warmband im nördlichen Europa seit Juli um sechs prozent gestiegen ist.
Hintergrund zum neuen Zollregime
Die EU erlaubt seit Juli weniger zollfreie Stahleinfuhren aus Drittstaaten. Seitdem sind Stahleinfuhren aus Drittstaaten auf 18,3 Millionen Tonnen pro jahr beschränkt.Jenseits dieses Kontingents fallen 50 Prozent Zoll an. Brüssel verfolgt damit das Ziel, die Branche vor den Folgen von Überkapazitäten zu schützen, die vor allem in China entstanden sind.
Ursachen für den Preisanstieg
Warmband ist ein verbreitetes Zwischenprodukt. Es wird unter anderem zu Autoteilen oder Profilen weiterverarbeitet. Der Preisanstieg steht im Gegensatz zu früheren Jahren, in denen der Preis in den dritten Quartalen meist zurückgegangen war.
Neben dem EU-Handelsschutz könnten auch höhere Energie- und Transportkosten den Preisanstieg erklären, etwa infolge des Niedrigwassers auf dem Rhein. „Das neue Handelsregime erhöht die auslastung der europäischen Stahlindustrie, sofern die Nachfrage nicht noch stärker zurückgeht als die zollfreien importkontingente“, sagte BCG-expertin Nicole Voigt.
Nutzung der Kontingente
Im vergangenen Quartal wurden die zollfreien Importkontingente insgesamt nur zu 83 prozent genutzt, berichtet BCG. Ein Grund dafür könnten volle Stahllager sein, die viele Importeure noch aufgefüllt hatten, bevor die neuen Zölle in Kraft traten. Voigt nannte zudem die Möglichkeit, dass es Importeuren schwerfalle, die einzelnen zollfreien Kontingente für einzelne Länder genau zu füllen.Außerdem könne es für einzelne Handelspartner infolge von Antidumping-Maßnahmen nicht lukrativ sein, ihr Importkontingent in der EU voll auszuschöpfen.
Auswirkungen und geplante Schutzmaßnahmen
Steigende Stahlpreise belasten Branchen wie die Autoindustrie. Nach Einschätzung von Nicole Voigt wäre der Schaden jedoch größer, wenn die hiesige Stahlindustrie nicht überleben würde. „wir brauchen einen Großteil der Grundstoffproduktion vor Ort, um eine weitere Deindustrialisierung zu vermeiden“, sagte sie.Im Kampf gegen die Importflut aus China bereitet die EU-kommission weitere Schutzklauseln vor. So will Brüssel etwa die Zahl der Hybridautos, die in die EU importiert werden dürfen, deutlich beschränken. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat zudem angekündigt, die Chemie- und Pharmaindustrie sowie den Maschinenbau schützen zu wollen.







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