Spieser Mühlenbach nach Renaturierung wieder naturnäher

Auf rund 1,5 Hektar wurde das zuvor begradigte Gewässer umgestaltet – Projekt soll auch als Ökokonto dienen

Aktuelles aus Spiesen Elversberg | Bild: Gemeinde

Die Renaturierung des Spieser Mühlenbachs zwischen Spiesen und dem Spieser Mühlental ist abgeschlossen. Auf rund 1,5 Hektar wurden Uferböschungen abgeflacht, Gewässerschlingen angelegt und Wanderhindernisse zurückgebaut.

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Die Renaturierung des Spieser Mühlenbachs in der Gemeinde Spiesen-Elversberg ist abgeschlossen. Die Landschaftsagentur Plus stellte die Maßnahme gemeinsam mit der Gemeinde und weiteren Projektpartnern bei einem Pressetermin vor. Zu den Rednern gehörten Sebastian Thul, Staatssekretär im saarländischen Umweltministerium, sowie Bürgermeister Bernd Huf.

Der Bach, der im Gemeindegebiet auch als „Spiesener Mühlenbach“ bezeichnet wird, war nach Angaben der Landschaftsagentur Plus in Teilbereichen über Jahrzehnte technisch überformt: begradigt, eingeengt und mit Steinen oder baulichen Anlagen befestigt. Naturnahe Ufer und flache Randbereiche fehlten, zudem habe die Gefahr einer weiteren Tiefenerosion bestanden.

Umgestaltung auf rund 1,5 Hektar

Die Landschaftsagentur Plus plante und begleitete die Maßnahme. Das Team unter Standortleiter Michael Boes gestaltete den Bachlauf auf rund 1,5 Hektar in mehreren Abschnitten um. Die Umsetzung übernahm die Firma Floratec. Dabei wurden Uferböschungen abgeflacht, leichte Gewässerschlingen ausgehoben und Wanderhindernisse im Bachbett zurückgebaut. Laut Mitteilung sind dadurch unterschiedliche Strömungsbereiche, flache Uferzonen und neue Rückzugsräume entstanden.

Von den neuen Strukturen im Bach, der nicht ganzjährig Wasser führt, sollen künftig wassergebundene Kleinstlebewesen und die Ufervegetation profitieren.

Bezug zur Klimafolgenanpassung

Nach Angaben der Landschaftsagentur Plus leiten begradigte und eingeengte Fließgewässer bei Starkregen Wasser häufig ungebremst aus der Landschaft ab, was zu Hochwasser führen könne. Naturnähere Gewässer und ihre Auen könnten Wasser dagegen länger im Landschaftsraum halten, Abflussspitzen dämpfen und durch Versickern das Grundwasser anreichern. Die Maßnahmen ersetzten jedoch keine umfassende Hochwasser- und Starkregenvorsorge, heißt es in der Mitteilung.

Staatssekretär Sebastian Thul sagte

„Am Spieser Mühlenbach wird ganz konkret sichtbar, wie die Ziele der europäischen Wasserrahmenrichtlinie vor Ort umgesetzt werden. Der Bach bekommt wieder mehr Raum, seine Struktur wird vielfältiger und es entstehen bessere Bedingungen für gewässertypische Lebensräume.“

Gemeinde sieht Nutzen für Erholungsraum

Bürgermeister Bernd Huf erklärte

„Mit der Renaturierung des Spieser Mühlenbachs investieren wir in die Zukunft unserer Gemeinde. Der Bach bekommt wieder mehr Platz, die Natur wird aufgewertet und zugleich gewinnt das Spieser Mühlental als Erholungsraum für unsere Bürgerinnen und Bürger.“

Ökokonto-Projekt zur Kompensation

Die Renaturierung wurde als Ökokonto-Projekt realisiert. Die ökologische Aufwertung wird in Ökopunkten dokumentiert, die im Rahmen von Genehmigungsverfahren zur Kompensation unvermeidbarer Eingriffe in Natur und Landschaft eingesetzt werden können, etwa bei neuen Wohn- oder Gewerbegebieten.

Nicole Büsing, Geschäftsführerin der Landschaftsagentur Plus GmbH, sagte dazu:

„Hier ist auf einer konkreten und dauerhaft gesicherten Fläche ein hochwertiger Lebensraum entstanden. Die daraus hervorgehenden Ökopunkte schaffen Planungssicherheit für Wohnbau- und Infrastrukturvorhaben.“

Standortleiter Michael Boes ergänzte

„Durch flachere Ufer, neue Gewässerschlingen und den Rückbau von Wanderhindernissen haben wir die Strukturvielfalt im Bach und in der Talaue deutlich verbessert.“

Die Fläche soll auch nach Abschluss der Bauarbeiten weiter begleitet werden. Laut Mitteilung sind Pflege, Beobachtung und bei Bedarf fachliche Nachsteuerung vorgesehen, damit sich die angestrebten ökologischen Funktionen dauerhaft entwickeln.

Nisthilfen aufgestellt

Beim Pressetermin wurden zusätzlich zwei aus Baumstämmen gefertigte Nisthilfen auf der Fläche angebracht. Die Landschaftsagentur Plus dankte der Gemeinde Spiesen-Elversberg, dem saarländischen Umweltministerium, den beteiligten Grundstückseigentümern sowie weiteren Planungs- und Ausführungspartnern für die Zusammenarbeit.

Hintergrund: Ökokonto

Ein Ökokonto ermöglicht es, anerkannte Naturschutz- und Aufwertungsmaßnahmen bereits vor einem konkreten Eingriff umzusetzen. Die erzielte ökologische Aufwertung wird nach geltenden Vorgaben bewertet und als Ökopunkte dokumentiert. Diese können später im Rahmen eines Genehmigungsverfahrens zur Kompensation unvermeidbarer Eingriffe in Natur und Landschaft eingesetzt werden. Die konkrete Anerkennung und Zuordnung erfolgt durch die zuständigen Stellen im jeweiligen Verfahren.

Projekt im Überblick

  • Ort: Talaue zwischen Spiesen und dem Spieser Mühlental
  • Fläche: rund 1,5 Hektar
  • Projektart: Gewässerrenaturierung und Ökokonto-Maßnahme

Zentrale Maßnahmen

  1. Abflachung der Uferböschungen
  2. Entwicklung leichter Gewässerschlingen
  3. Rückbau von Wanderhindernissen im Bachbett
  4. Schaffung unterschiedlicher Strömungs- und Tiefenbereiche
  5. Entwicklung flacher Ufer- und Übergangszonen

Die Landschaftsagentur Plus ist eine 2011 gegründete Flächenagentur und Tochtergesellschaft der RAG Montan Immobilien. Nach eigenen Angaben entwickeln rund 30 Mitarbeitende an den Standorten Datteln, Oberursel und Friedrichsthal Kompensations-, Renaturierungs- und Artenschutzprojekte.

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