Nach dem ifo-Institut geht auch das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) von einer stärkeren Belebung der deutschen Konjunktur aus.Ein Anstieg der auslandsnachfrage habe die deutsche Wirtschaft im ersten Halbjahr trotz höherer Energiepreise auf Erholungskurs gebracht, teilte das IWH mit.
Ergebnisse und Prognosen
laut Herbstprognose des IWH dürfte das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um 1,4 Prozent und im Jahr 2027 um 0,8 Prozent zunehmen. Im Juni waren die IWH-Konjunkturforscher noch von einem zuwachs von 0,9 Prozent für dieses und das folgende Jahr ausgegangen. Für die kommenden Quartale erwarten die Forscher, dass eine Zunahme der staatlichen Investitionen die Konjunktur stützen wird. In Ostdeutschland fällt die Belebung etwas schwächer aus.
Internationale Entwicklung
treiber der Nachfrage
Im Spätsommer 2026 ist die internationale Konjunktur auf Expansionskurs. Wesentliche Treiber sind nach Einschätzung des IWH die vom Boom um die Künstliche intelligenz ausgelösten Investitionen. Diese Investitionen erfolgen vor allem in den USA. Wo sich wichtige Produzenten für die erforderlichen Investitionsgüter befinden, boomt der Export.
Energie- und Rohstoffpreise
Der Erdölpreis ist wegen des Golfkonflikts gestiegen. In realer Rechnung liegt er aber insbesondere dank verminderter Nachfrage aus China niedriger als in früheren Energiekrisen.
Geld- und Fiskalpolitik
die höheren Inflationsraten durch den Energiepreisanstieg lassen die Konjunkturexperten erwarten, dass die Leitzinsen in den USA und im Euroraum in den kommenden Quartalen angehoben werden. Die Finanzpolitik ist in den beiden Wirtschaftsräumen in diesem Jahr leicht expansiv ausgerichtet. Für 2027 wird eine restriktivere Fiskalpolitik erwartet. Alles in allem seien die Aussichten für eine stabile Weltkonjunktur gut, da sich der KI-Boom voraussichtlich fortsetzen werde. eine Beschleunigung sei jedoch nicht zu erwarten, auch weil die Produktionskapazitäten der betroffenen industrien ausgelastet seien, so das Institut.
Lage in Deutschland
Wachstum und Exporte
„Die deutsche Konjunktur befindet sich auf Erholungskurs“, sagte Oliver Holtemöller, Leiter der Abteilung Makroökonomik und Vizepräsident des IWH. Im zweiten Quartal 2026 ist das Bruttoinlandsprodukt das dritte Mal in Folge merklich gestiegen. Ausschlaggebend waren vor allem steigende Exporte, nachdem diese seit Anfang 2023 im Trend rückläufig gewesen waren.
Beschäftigung und Produktion
Die Erwerbstätigenzahl ist weiterhin rückläufig, besonders deutlich im Verarbeitenden Gewerbe.Der Wirtschaftszweig bleibe damit in der Krise. Zugleich zeigen Wertschöpfungs- und Exportzahlen, dass einige Unternehmen von der gegenwärtig starken internationalen Nachfrage profitierten. Das Niedrigwasser des Rheins habe die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe gebremst. die Pegelstände seien seit Mitte August wieder gestiegen.
Inlandnachfrage
Bei den anderen Verwendungsaggregaten sei für das erste Halbjahr noch kaum eine Erholung zu erkennen, so das IWH. Der private Konsum werde durch Kaufkraftverluste aufgrund des Energiepreisanstiegs gedämpft. Die privaten Ausrüstungsinvestitionen seien im zweiten Quartal nicht über ihr Niveau von vor zweieinhalb Jahren hinausgekommen. In den kommenden Quartalen dürfte sich die expansive Ausrichtung der Finanzpolitik zunehmend in steigenden Investitionen niederschlagen. Als weiteres positives Signal nennt das Institut die deutlich verbesserten Ifo-Geschäftserwartungen.
Risiken
„Ein Konjunkturrisiko speziell für deutschland und Europa ist nach wie vor die Möglichkeit einer Energiekrise“, so holtemöller. Das Weltangebot an Flüssiggas sei durch den weitgehenden Ausfall des Angebots aus Katar stärker verknappt worden als das Welterdölangebot. Europa sei auf den Import von erdgas angewiesen, und die Lagerstände seien verglichen mit langjährigen durchschnitten niedrig. Die Erholung in Deutschland sei zudem labil, weil sie bislang weitgehend von einer stärkeren Auslandsnachfrage abhänge. Diese könne rasch wieder schwächer werden,etwa weil der KI-Boom zu einem Ende komme oder weil deutsche Anbieter weiter an Wettbewerbsfähigkeit verlieren.
Weitere Prognosen
Neben dem Ifo-Institut und dem IWH hob auch das RWI seine Konjunkturprognose an. Das RWI erwartet für die deutsche wirtschaft im Jahr 2026 ein Wachstum von 1,3 Prozent. Für 2027 prognostiziert es einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 1,1 Prozent und für 2028 um 0,5 Prozent. Gegenüber der Prognose vom Frühsommer hat das RWI seine Wachstumserwartungen damit angehoben. Im Juni waren für 2026 und 2027 noch jeweils 0,8 Prozent erwartet worden. die neue Prognose liegt für 2026 um 0,5 und für 2027 um 0,3 Prozentpunkte höher.



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