Rund sieben Wochen nach einem Zwischenfall mit einer Boeing 787-9 am Flughafen München hat die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) einen Zwischenbericht vorgelegt.
Vorfall
Das Flugzeug der Vietnam Airlines sollte am 15. August planmäßig nach Hanoi fliegen. An Bord waren 271 Passagiere, 12 Kabinenbesatzungsmitglieder und vier Piloten. um 13:56 Uhr Münchner Zeit rollte die Maschine auf die Startbahn 26 L.
Start und Kollision
Der Start verlief nicht wie geplant. Das Flugzeug hob erst hinter dem eigentlichen Ende der Startbahn ab und zwar im Grasbereich. Videoaufnahmen zeigten, wie das Heck und die Reifen des Hauptfahrwerks mit Teilen der Anflugbefeuerung kollidierten.Insgesamt wurden 20 Lampen beschädigt. Das Flugzeug trug erhebliche Schäden am Rumpf davon.
Erkenntnisse aus den Flugdatenschreibern
Bremsungen und Rotationspunkt
Die Flugdatenschreiber zeigen, dass bereits während des Startlaufs mehrfach gebremst wurde. Die Piloten betätigten etwa eine Minute vor dem Abheben die Bremsen.Auf Höhe einer rollweg-Einmündung waren Reifenspuren beider Hauptfahrwerke auf der Startbahn zu sehen. Zeitweise blieb die Geschwindigkeit des Flugzeugs rund 18 Sekunden bei etwa 168 Knoten (rund 311 km/h) hängen, unterbrochen von kurzen Schwankungen.
die Rotation erfolgte erst auf Höhe der Pistenschwelle am äußersten Ende der Startbahn. Das Flugzeug hob im Grasbereich hinter der Bahn ab. Die Reifenspuren zogen sich über die Schwelle und den Clearway hinaus und endeten etwa 240 Meter dahinter im Gras.
V1 und Folgen
Die Entscheidungsgeschwindigkeit V1 wurde erst nach dem Abheben und nach der kollision mit der Befeuerung erreicht. Zu dem Zeitpunkt, als ein Startabbruch noch möglich gewesen wäre, war das Flugzeug damit bereits über das Bahnende hinaus.
Stallwarnung und automatische Systeme
Kurz nach dem abheben in etwa 15 Fuß (rund 4,5 Meter) Höhe aktivierte sich der automatische Strömungsabrissschutz.Die Vorflügel (Leading edge Slats) fuhren automatisch vollständig aus. Der Anstellwinkel stieg auf 14 Grad. Die Besatzung aktivierte den Take-Off/Go-Around-Modus.
Rückkehr und Landung
Nach dem Abheben stieg die Maschine auf 7.000 Fuß. Die Besatzung setzte einen Notruf („pan pan“) ab und bat um Radarführung,um Treibstoff ablassen zu können. Insgesamt wurden 62 Tonnen Kerosin abgelassen,um das Landegewicht zu reduzieren. Die Besatzung rechnete mit platten Reifen bei der Landung.
Nach zwei Überflügen, bei denen das Fahrwerk ausgefahren blieb, damit das Bodenpersonal es begutachten konnte, landete die Maschine um 15:56 Uhr auf der Piste 26 R. Vier Reifen des linken hauptfahrwerks waren beschädigt. Die Passagiere verließen das Flugzeug über mobile Treppen. Niemand wurde verletzt.
besatzung
Der Zwischenbericht nennt detaillierte Angaben zur Besatzung. Der 64-jährige Kapitän war steuerführender Pilot während des Starts. Er verfügt über mehr als 27.000 Flugstunden, davon fast 7.800 Stunden auf dem Muster Boeing 787. Der 40-jährige Copilot überwachte die Instrumente. Ein 55-jähriger Pilot übernahm später im Flug die Steuerung und führte die Landung durch. Ein 31-jähriger Pilot war als Vierter im Cockpit anwesend und blieb laut Zwischenbericht passiv.
Weiteres Verfahren
Die Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen. Die BFU hat mehrere elektronische Steuergeräte des Bremssystems sichergestellt und untersucht sie derzeit im Detail.


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