Umfrage: Machtmissbrauch im Klinikalltag weit verbreitet

Pressekonferenz Marburger Bund am 14.04.2026

Machtmissbrauch und sexuelle Belästigung sind im ärztlichen Arbeitsalltag in deutschen Krankenhäusern weit verbreitet

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Ergebnisse einer Befragung des Marburger Bundes

Eine bundesweite Befragung des Marburger Bundes zeigt, dass Machtmissbrauch und sexuelle Belästigung im ärztlichen Arbeitsalltag in deutschen Krankenhäusern weit verbreitet sind. An der Umfrage nahmen über 9.000 angestellte Ärzte teil. Die ergebnisse wurden am Dienstag in Berlin vorgestellt.

Machtmissbrauch durch Vorgesetzte

Knapp die Hälfte der Befragten berichtete, in den letzten zwölf Monaten Machtmissbrauch durch ärztliche Vorgesetzte erlebt zu haben.Diese Vorfälle treten häufig wiederholt auf: 51 Prozent der Betroffenen erleben sie mehrmals im Jahr, 30 Prozent monatlich und 14 Prozent wöchentlich.Überwiegend geht der Machtmissbrauch von männlichen Vorgesetzten aus. Häufige Formen sind ein respektloser Umgangston,die Infragestellung der fachlichen Kompetenz ohne sachlichen Grund sowie Mobbing oder öffentliche Bloßstellung. Viele Betroffene berichten von emotionaler Erschöpfung und dem Wunsch, den Arbeitsplatz zu wechseln. Drei viertel der Betroffenen meldeten die Vorfälle nicht, da sie keine wirksamen Konsequenzen erwarteten oder berufliche Nachteile befürchteten.

Sexuelle Belästigung

Auch sexuelle Belästigung stellt ein signifikantes Problem dar.13 Prozent der befragten gaben an, in den letzten zwölf Monaten entsprechende Erfahrungen gemacht zu haben. Die Vorfälle umfassten sexualbezogene Kommentare, unerwünschte gespräche mit sexuellem inhalt und unerwünschte körperliche Nähe. etwa drei Viertel der Betroffenen erlebten sexuelle Belästigung mehrmals in den letzten zwölf monaten: 59 Prozent mehrmals im Jahr, 17 Prozent mehrmals im Monat und 6 Prozent mehrmals in der Woche. 18 Prozent berichten von einem einmaligen Vorfall.

Forderungen des Marburger Bundes

Der Marburger Bund sieht dringenden Handlungsbedarf. Andreas Botzlar, zweiter Vorsitzender des Marburger Bundes, betonte die Notwendigkeit einer engen Zusammenarbeit von Betriebsräten, Beschwerdestellen und Geschäftsführungen bei Grenzüberschreitungen. Es könne nicht sein, dass sexuelle Belästigung folgenlos bleibe oder den Betroffenen die Kündigung nahegelegt werde. Botzlar fordert eine andere Führungskultur in den Krankenhäusern, bei der Führungskräfte für ihre Verantwortung qualifiziert und stärker in die Pflicht genommen werden.

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