Ausweitung der Ermittlungen im Fallschirmjägerregiment 26
Die Ermittlungen der Bundeswehr im Fallschirmjägerregiment 26 in Zweibrücken fallen offenbar umfangreicher aus als bisher bekannt. Das berichtet das Nachrichtenmagazin „Spiegel“. Im Mittelpunkt stehen Vorwürfe gegen mehrere Soldaten an den Standorten Zweibrücken und Merzig.
Vorwürfe gegen kompaniechef und Ausbilder
Ermittlungen wegen Umgang mit Dienstwaffe
Gegen den Chef einer Kompanie wird ermittelt, weil er nach internen berichten der Truppe eine teilgeladene Pistole aus drei Metern Entfernung auf die Gesichter zweier Soldaten gerichtet haben soll. Die Hinweise dazu stammen aus internen Unterlagen des Regiments.
Schwerverletzter Soldat nach Nahkampfausbildung
in einer Kompanie am standort Merzig musste ein Soldat nach der Nahkampfausbildung im Juni 2025 im Krankenhaus notoperiert werden. Zwei Ausbilder sollen laut einem internen Dokument „entgegen der einschlägigen Vorschrift wiederholte Schläge in den Genitalbereich und auf den Kopf angewiesen haben“, ohne dass der soldat seine Deckung hochnehmen durfte.
Umfang der Ermittlungen und weitere Vorwürfe
Die Bundeswehr führt derzeit insgesamt 55 Beschuldigte. Nach Informationen des „Spiegel“ wurden bereits mehr als 260 Vernehmungen durchgeführt. Ausgelöst wurden die Ermittlungen in dem Verband durch mehrere Soldatinnen, die sich im Februar 2025 an die Gleichstellungsvertrauensfrau des Regiments gewandt hatten.
Im Zentrum standen zunächst Vorwürfe sexualisierten Fehlverhaltens.Hinzu kamen Anschuldigungen, Soldaten würden auch in der Kaserne Drogen konsumieren, darunter Kokain. Außerdem gebe es rechtsextremistische Umtriebe. In Berichten des Heeres ist von einem „toxischen inneren Gefüge“ in einer der elf Kompanien des Regiments die Rede. Die nun bekannt gewordenen Vorwürfe betreffen jedoch andere Kompanien.
Reaktionen aus dem Bundestag
Kritik an Informationspolitik des Verteidigungsministeriums
Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag, thomas Röwekamp (CDU), kritisiert die Informationspolitik von Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD). „Angesichts des Umfangs und der Tragweite der Vorwürfe wäre es wünschenswert gewesen, dass der Deutsche Bundestag und dort der Verteidigungsausschuss früher und umfassender durch das Bundesverteidigungsministerium informiert und einbezogen worden wären“, sagte Röwekamp dem „Spiegel“.
Röwekamp fordert Konsequenzen.Man müsse darüber sprechen, warum Soldaten häufig davor zurückschreckten, Fehlverhalten von kameraden oder Vorgesetzten zu melden, sagte er.Zudem müsse darüber nachgedacht werden, wie es Soldaten erleichtert werden könne, Vorfälle zu melden, ohne persönliche Nachteile befürchten zu müssen.
Forderung nach dunkelfeldstudie zu sexualisiertem Fehlverhalten
Der Wehrbeauftragte des Bundestags,Henning Otte (CDU),dringt auf eine zügige Fertigstellung einer Dunkelfeldstudie,die Ausmaß und Folgen sexualisierten Fehlverhaltens in der Bundeswehr untersuchen soll. Eine solche Analyze sei „unerlässlich, um gezielte und wirksame Präventions- sowie Aufklärungsmaßnahmen zu entwickeln“, sagte otte dem „Spiegel“.
Die frühere Wehrbeauftragte Eva Högl (SPD) hatte die Untersuchung vor mehr als einem Jahr angeregt, Verteidigungsminister Pistorius hatte ihr Vorhaben zugesagt. Bislang liegt nach den Angaben lediglich eine projektskizze vor.











