Marburger Bund kritisiert „toxische Arbeitsumgebung“ in Kliniken

Krankenhaus (Archiv)

Der Marburger Bund kritisiert die Führungskultur in deutschen Kliniken und warnt vor einer "toxischen Arbeitsumgebung

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Kritik an Führungskultur in deutschen Krankenhäusern

Die Vorsitzende des Marburger Bundes, Susanne Johna, hat die Führungskultur in deutschen Krankenhäusern scharf kritisiert. Viele Ärztinnen kehrten dem System frustriert den Rücken, erklärte Johna gegenüber dem Fachdienst „Tagesspiegel Background Gesundheit“. Machtmissbrauch, Willkür und autoritäres Verhalten seien in zahlreichen kliniken strukturell verankert. Diese „toxische Arbeitsumgebung“ bremse insbesondere weibliche Karrieren aus und gefährde die Patientensicherheit.

Umfrage bestätigt strukturelle Probleme

Anlass für die Kritik ist eine Umfrage des Hamburger Landesverbands des Marburger Bundes. Darin berichteten Ärzte von Machtmissbrauch und autoritärem Führungsstil. Johna betonte, dass ähnliche Ergebnisse auch in anderen Teilen Deutschlands zu erwarten wären. Die Probleme seien nicht auf Einzelfälle beschränkt, sondern hätten strukturelle Ursachen. Besonders betroffen seien Ärztinnen, da die Mehrheit der Betroffenen Frauen seien.

Geplante bundesweite Befragung

Der Marburger Bund plant eine bundesweite Mitgliederbefragung zu Machtmissbrauch, diskriminierung und Führungskultur. Die Ergebnisse sollen im Frühjahr 2026 vorgestellt werden.

Hierarchische Strukturen als Ursache

Johna sieht die Ursachen für die Probleme in den stark hierarchischen Strukturen der Kliniken. Junge kolleginnen und Kollegen seien vollständig von ihren Vorgesetzten abhängig. Weiterbildung und Arbeitsalltag würden häufig nach den Vorlieben der Führungskräfte gestaltet. Wer sich anpasse,um Konflikte zu vermeiden,lerne im Laufe der Jahre zu schweigen – auch in Situationen,in denen Kritik notwendig wäre.dies könne letztlich auch die Patientensicherheit beeinträchtigen.

Geringer Frauenanteil in Führungspositionen

Obwohl zwei Drittel der Medizinstudierenden in Deutschland weiblich sind, ist die Spitze weiterhin männlich dominiert.In leitenden Positionen, insbesondere bei Chefärzten und W3-Professuren, liege der Frauenanteil bei etwa 16 prozent. Damit bestimmten zu 84 Prozent Männer, wie gelehrt, ausgebildet und behandelt werde, so johna.

Herausforderungen für Frauen in der Weiterbildung

Frauen hätten es im System besonders schwer, da die Weiterbildungszeit häufig mit der Familiengründungsphase zusammenfalle. Laut Johna werde dieser Umstand von einigen Führungspersonen als Karrierekiller ausgelegt. Sie berichtete von eigenen Erfahrungen, in denen ihre Schwangerschaft negativ kommentiert wurde.

Forderungen an Arbeitgeber und Politik

Johna hob positiv jene Chefärzte hervor, die ihre Führungsrolle reflektieren und konstruktiv gestalten. Insgesamt bleibe die Veränderung jedoch schwierig. Viele Frauen verließen das System aus Frustration.Die Kliniken könnten es sich jedoch nicht leisten, qualifiziertes personal zu verlieren.In der Wirtschaft werde bereits in Program zur Mitarbeiterbindung investiert, im Krankenhausbereich sei dies noch nicht ausreichend angekommen.

Johna forderte Arbeitgeber, Ärztekammern und Länder auf, gegenzusteuern.Ärztekammern könnten nicht nur Rügen aussprechen, sondern auch weiterbildungsbefugnisse entziehen. Die Länder könnten bei der Krankenhausreform jene Häuser bevorzugen, die Mitarbeiterförderprogramme und Antidiskriminierungskampagnen anbieten. Eine gesetzliche Neuregelung sei nicht erforderlich, da bereits ein Antidiskriminierungsgesetz existiere. Vielmehr fehle es vielerorts am Bewusstsein für die Problematik.

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