Expertenkommission fordert WHO zur Einstufung der Klimakrise als Gesundheitsnotstand auf
Eine Expertenkommission, an der der ehemalige deutsche Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach beteiligt ist, fordert die Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf, die Klimakrise als globalen Gesundheitsnotstand einzustufen. Dies geht aus einem Bericht hervor, über den der „Spiegel“ berichtet.
Hintergrund der Kommission
Die elfköpfige, unabhängige „Paneuropäische Kommission Klima und Gesundheit“ wurde vor einem Jahr vom Europa-Büro der WHO eingesetzt. Sie wird von der früheren isländischen Premierministerin Katrin Jakobsdottir geleitet. Zu den Mitgliedern zählen neben Lauterbach auch die dänische Ex-EU-Klimakommissarin connie Hedegaard.
Forderungen und Warnungen
Die Kommission verlangt von der WHO die Ausrufung eines „gesundheitlichen Notstandes von internationaler Tragweite“. Diese höchste Alarmstufe wurde zuletzt zu Beginn der Covid-Pandemie erklärt. Lauterbach betonte gegenüber dem „Spiegel“, dass der Klimawandel aufgrund seiner Gesundheitskonsequenzen schon lange ganz oben auf der Agenda der WHO stehen müsste.
In ihrem 54-seitigen Bericht warnt die Kommission, dass der Klimawandel bereits heute Gesundheit und Leben von Millionen Menschen bedrohe. Im Rekordhitzejahr 2024 seien in Europa rund 63.000 Menschen an hitzebedingten Ursachen gestorben. Die Temperaturen in Europa seien in den vergangenen Jahrzehnten doppelt so stark gestiegen wie im globalen Durchschnitt.
Vorgeschlagene Maßnahmen
Die Kommission schlägt den aufbau eines WHO-Informationszentrums für Klima und Gesundheit vor, das Regierungen mit Daten und Argumentationshilfen gegen Klimaleugner versorgen soll. Zudem solle die WHO alle zwei Jahre bewerten,wie gut Mitgliedstaaten ihre Gesundheitssysteme auf den Klimawandel vorbereiten. Nationale Regierungen werden aufgefordert, Subventionen für fossile Brennstoffe zu streichen.
Notwendige Änderungen bei der WHO
Bisher sehen die Regularien der WHO nicht vor, dass sie wegen der zunehmenden Erwärmung einen Notfall deklarieren kann. Die Kommission hält es für notwendig, dies zu ändern, um bei katastrophalen Hitzewellen koordinierte Gegenmaßnahmen einleiten zu können.
Der Bericht wird am Sonntagnachmittag in Genf vorgestellt, wo ab Montag die Weltgesundheitsversammlung tagt. Bis Samstag beraten dort Vertreter der 193 Mitgliedsstaaten über die weitere Ausrichtung der Organisation.



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