Rüdiger Lucassen hat seinen Rücktritt als verteidigungspolitischer Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion erklärt. Mehrere Medien berichten am Montag übereinstimmend darüber, basierend auf einem Schreiben Lucassens an die Fraktionsvorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla. Zuvor hatten Teile der Fraktion offenbar seine Abwahl vorbereitet.
Abstimmung über Ablösung geplant
Am Dienstag sollte im zuständigen Arbeitskreis über Lucassens Ablösung abgestimmt werden. Berichten zufolge war in einem entsprechenden Antrag von „Vertrauensverlust“, „Alleingängen“ und einem „Führungsdefizit“ die Rede. Mit seinem Rücktritt kam Lucassen dieser Entscheidung offenbar zuvor. In seinem Schreiben begründete er den Schritt mit den anstehenden Landtagswahlen und dem Wunsch,die Erfolgsaussichten der Partei nicht durch Personaldebatten zu belasten. Die innerparteiliche Diskussion über seine Positionen sei zuletzt in eine „Freund-Feind-Spirale“ geraten,wird aus dem Schreiben zitiert.
Hintergrund des Rücktritts
Der Rücktritt wird als Ergebnis eines monatelangen Machtkampfs in der Fraktion gesehen. Ende 2025 hatte der Fraktionsvorstand bereits ein Ordnungsverfahren gegen Lucassen eingeleitet, nachdem er den Thüringer afd-Landeschef Björn Höcke in einer Bundestagsrede wegen dessen Haltung zur Wehrpflicht öffentlich kritisiert hatte. Im Kern ging es um den Kurs der Partei in der Verteidigungspolitik. Lucassen vertrat den westdeutsch geprägten Flügel, der auf Wehrpflicht, aufrüstung und einen betont staatstragenden Kurs setzte. Dagegen stellten sich vor allem Vertreter aus den ostdeutschen Landesverbänden, die die AfD stärker als Friedenspartei profilieren wollten. Hinter dem Streit soll auch die Sorge gestanden haben, ein klarer Pro-Wehrpflicht-Kurs könne der Partei vor den Landtagswahlen 2026 in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt schaden.
Lucassen bleibt den Berichten zufolge trotz seines Rückzugs von der Sprecher-Position weiterhin Mitglied der AfD-Bundestagsfraktion.



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