Umfrage: Mehrheit der Deutschen will stärkeren Sozialstaat und ist bereit, mehr zu zahlen

Sozialstaatsradar 2026 zeigt breite Unterstützung für solidarische Sicherungssysteme – auch bei Jüngeren

Die Arbeitskammer des Saarlandes informiert

Eine Befragung von 3.000 Personen zeigt: Die Mehrheit der Menschen in Deutschland wünscht sich einen leistungsfähigeren Sozialstaat und ist bereit, dafür höhere Beiträge zu zahlen. Privatisierung und Rentenaltererhöhung stoßen dagegen auf breite Ablehnung.

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Die Mehrheit der Menschen in Deutschland will keinen Rückzug des Staates aus der sozialen Absicherung – im Gegenteil. Das zeigt das Sozialstaatsradar 2026, für das 3.000 Personen im Auftrag der Arbeitnehmerkammer Bremen, der Arbeitskammer des Saarlandes und des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) befragt wurden. Die Erhebung fand vom 7. bis 20. Januar 2026 per Online-Befragung statt, durchgeführt vom wissenschaftlichen Dienstleister uzbonn.

Breite Unterstützung für solidarische Systeme

Laut der Studie sprechen sich 77 Prozent der Befragten für eine gemeinsame gesetzliche Rentenversicherung aus. Rund 60 Prozent wollen Eigenanteile in der Pflege begrenzen oder ganz abschaffen. Die Unterschiede zwischen gesetzlicher und privater Absicherung in Gesundheit und Pflege empfindet eine deutliche Mehrheit als ungerecht: Fast 80 Prozent befürworten nach Angaben der Studie eine Bürgerversicherung – darunter auch eine Mehrheit der Privatversicherten.

Zahlungsbereitschaft für stabile Renten

Gleichzeitig zeigt die Umfrage eine hohe Bereitschaft, für bessere Leistungen mehr zu zahlen. Rund 75 Prozent der Beschäftigten wären demnach bereit, höhere Beiträge zu leisten, wenn damit stabile oder verbesserte Rentenleistungen gesichert werden.

Kein Generationenkonflikt erkennbar

Einen viel diskutierten Generationenkonflikt bei der Rente bestätigt die Studie nicht. Nach Angaben der Auftraggeber sind 71 Prozent der 18- bis 29-jährigen Beschäftigten bereit, höhere Beiträge zu zahlen, sofern das Rentenniveau stabil bleibt oder steigt.

Rentenalter: Mehrheit gegen weitere Anhebung

Deutliche Ablehnung zeigt die Bevölkerung gegenüber einer weiteren Erhöhung des gesetzlichen Rentenalters: 74 Prozent sprechen sich dagegen aus. Mehr als die Hälfte der Befragten glaubt zudem, in ihrem Beruf nicht bis zur früheren Regelaltersgrenze von 65 Jahren arbeiten zu können.

Einordnung der Auftraggeber

Die Arbeitnehmerkammer Bremen, die Arbeitskammer des Saarlandes und der DGB sehen in den Ergebnissen einen klaren politischen Auftrag. In einer gemeinsamen Mitteilung heißt es:

Der demografische Wandel darf kein Vorwand für Kürzungen sein. Aufgabe der Sozialpolitik ist und bleibt eine nachhaltige und gute Absicherung durch den Staat.

Weiter heißt es in der Mitteilung: „Der Sozialstaat scheitert nicht am Geld, sondern am fehlenden politischen Mut zu verlässlich guten Leistungen. Wer Sicherheit will, muss sie gerecht finanzieren – etwa durch einen größeren Versichertenkreis.“

Zur Methodik

Das Sozialstaatsradar erscheint einmal jährlich und erhebt grundlegende Positionen der Bevölkerung zu den Themenfeldern Gesundheit, Pflege und Rente. Die Stichprobe basiert auf einer systematischen Quotenerhebung und bildet nach Angaben der Auftraggeber die Wohnbevölkerung in Deutschland ab 18 Jahren ab.

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