St. Ingbert – Lange nach Mitternacht, in der Nacht von Samstag auf Sonntag am Rande des Ingobertusfestes: Eine Frau mit warmem Mantel und übergroßem Strohhut läuft erschöpft mit schweren Einkaufstaschen voller Pfandflaschen Richtung Unterstadt. Sie spricht einen jungen Mann an und fragt, ob die Tankstelle weiter unten noch geöffnet hat.
Der Mann weiß es nicht – bietet aber an, anderweitig zu helfen. Die Frau erklärt, sie sei bereits erschöpft und ihr Zug gehe erst in einigen Stunden. Daraufhin bleibt der junge Mann an ihrer Seite.
Eine Pause auf dem Bürgersteig
Irgendwo nach der Polizeiwache kann die Frau nicht mehr weiterlaufen. Sie faltet ihren Mantel zu einem Kissen, setzt sich auf den Gehweg – und der junge Mann setzt sich neben sie. Die Frau, die sich später als Martina vorstellt, beginnt zu erzählen:
„Für mich war das heute ein richtig guter Tag. Zuerst habe ich am Morgen auf dem Flohmarkt diesen tollen Mantel für 5 Euro gekauft, obwohl er eigentlich 10 kosten sollte. Den Strohhut haben sie mir sogar noch dazu geschenkt. Und heute Abend habe ich so viele Flaschen gesammelt…so gute Tage habe ich selten.“
Ein Dritter kommt dazu
Kurz darauf gesellt sich ein weiterer Mann mit vollen Flaschentüten dazu und fragt, ob er sich setzen darf. Seine erste Frage an den jungen Mann:
„Bist du ein Streetworker?“
„Nein, ich bin einfach nur Christopher und habe Zeit.“
Der Hinzugekommene, der sich später als Martin vorstellt, zeigt sich überrascht:
„Das ist echt Hammer. Es kommt selten vor, dass ein Normalo mit uns spricht…und schon gar nicht setzt er sich zu uns.“
Martin berichtet anschließend von seinem Tag beim Ingobertusfest:
„Was für ein Glückstag heute hier in St. Ingbert. Ich habe mir so viele Live-Bands angehört, bin von Bühne zu Bühne gelaufen, weil es so tolle Musik gab. Und ich habe so viel Pfand gesammelt, wie selten in meinem Leben. Aber das Beste war, dass ich nicht einmal ausgeschimpft oder angepöbelt wurde…echt supernette Leute hier in der Stadt.“
Bis die Nacht fast vorbei ist
Die drei unterhalten sich, jeder erzählt ein wenig aus seinem Leben. Als die Nacht sich dem Ende nähert, steht Christopher auf, um sich zu verabschieden – seine Freundin warte bereits. Erst in diesem Moment tauschen Martina und Martin ihre Namen aus und müssen gemeinsam lachen.
„Dann passt das ja mit euch beiden,“ sagt Christopher. „Vielleicht sehen wir uns ja mal wieder und passt auf euch auf. Würde mich freuen…“
Auf die Frage, warum er die beiden nicht allein gelassen habe, antwortete Christopher schlicht:
„Warum? Ich habe die Menschen doch nur mit Respekt behandelt.“
Der Artikel basiert auf einem Erlebnisbericht, der am 17. Juli 2026 veröffentlicht wurde. Das Foto stammt von Maria Müller-Lang.



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