Oberbürgermeister appellieren an EU-Kommission: Automobilindustrie braucht sofortige politische Signale

Städte-Initiative warnt vor weiterem Arbeitsplatzabbau und fordert schnellere Entscheidungen beim europäischen Automotive Package

Aktuelles aus Saarbrücken

Die Oberbürgermeister von Stuttgart, Wolfsburg, Friedrichshafen und Saarbrücken haben sich in einem gemeinsamen Brief an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen gewandt. Sie fordern rasche politische Weichenstellungen für die Automobil- und Zulieferindustrie.

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Die Oberbürgermeister von Stuttgart, Wolfsburg, Friedrichshafen und Saarbrücken haben sich mit einem gemeinsamen Schreiben an EU-Kommissionspräsidentin Dr. Ursula von der Leyen gewandt. Als Initiatoren der Initiative „Bürgermeister für einen starken Automobilstandort“ fordern Dr. Frank Nopper, Dennis Weilmann, Simon Blümcke und Uwe Conradt schnellere politische Entscheidungen für die europäische Automobil- und Zulieferindustrie.

Über 800.000 Arbeitsplätze betroffen

Nach Angaben der Initiative sind in den beteiligten Städten und Regionen weit über 800.000 Arbeitsplätze direkt oder indirekt von der Automobil- und Zulieferindustrie abhängig. Laut aktuellen Berechnungen des Verbandes der Automobilindustrie seien seit 2019 bereits rund 100.000 Arbeitsplätze in der deutschen Automobilindustrie verloren gegangen. Ohne politische Korrekturen drohe bis 2035 ein Verlust von insgesamt bis zu 225.000 Stellen.

Kritik am Zeitplan des Automotive Package

Besonders kritisieren die vier Oberbürgermeister den Zeitplan des europäischen Automotive Package. Dass zentrale Entscheidungen erst im ersten Quartal 2027 in konkrete Ergebnisse münden sollen, werde der Lage nicht gerecht, heißt es in dem Schreiben. Investitions- und Standortentscheidungen würden bereits heute getroffen.

„Die Industrie kann nicht bis 2027 warten. Investitionsentscheidungen werden heute getroffen. Standortentscheidungen werden heute getroffen. Entscheidungen über Forschung, Entwicklung, Produktionslinien und Beschäftigung werden heute getroffen.“

Jeder weitere Monat ohne klare politische Orientierung erhöhe das Risiko weiterer Standortverlagerungen, Investitionsabflüsse und Arbeitsplatzverluste, so die Initiative.

Wettbewerbsfähigkeit unter Druck

Als Ursachen für die schwierige Lage nennen die Bürgermeister unter anderem hohe Energiepreise, regulatorische Belastungen, langwierige Genehmigungsprozesse, geopolitische Verwerfungen sowie aggressive industriepolitische Strategien anderer Wirtschaftsräume. Infolgedessen wandere industrielle Wertschöpfung zunehmend aus Europa ab.

Die Initiative fordert von der Europäischen Kommission ein klares Signal für Wettbewerbsfähigkeit, Technologieoffenheit und industrielle Stärke. Unternehmen bräuchten Planungssicherheit, Zukunftstechnologien Investitionssicherheit und Beschäftigte Vertrauen in die Transformation.

Stimmen der Oberbürgermeister

„Unsere Städte stehen für industrielle Stärke, Innovation und hunderttausende Arbeitsplätze. Wenn Europa die Transformation erfolgreich gestalten will, muss es jetzt entschlossen handeln. Die Zeit für klare industriepolitische Signale ist nicht 2027. Sie ist jetzt.“

Dr. Frank Nopper, Oberbürgermeister Stuttgart

„Die Automobilindustrie braucht verlässliche Rahmenbedingungen und Planungssicherheit. Wer Investitionen in Europa halten will, muss Wettbewerbsfähigkeit, Energiepreise, Bürokratie und Technologieoffenheit endlich zusammen denken.“

Dennis Weilmann, Oberbürgermeister Wolfsburg

„Gerade die Zulieferindustrie ist das Rückgrat vieler Industriestandorte. Wenn dort Wertschöpfung, Arbeitsplätze und Entwicklungsfähigkeit verloren gehen, trifft das ganze Regionen. Deshalb braucht Europa ein Automotive Package, das auch die Zulieferer im Blick hat.“

Simon Blümcke, Oberbürgermeister Friedrichshafen

„In unseren Städten spüren die Menschen sehr konkret, ob politische Entscheidungen Zukunftsperspektiven schaffen oder Unsicherheit verstärken. Die Transformation braucht gesellschaftliche Akzeptanz. Dafür muss sie Arbeitsplätze sichern und industrielle Stärke in Europa erhalten.“

Uwe Conradt, Oberbürgermeister Saarbrücken

Gesprächsangebot an von der Leyen

Die Initiative betont zugleich, dass Klimaschutz, Innovation und industrielle Wertschöpfung keine Gegensätze seien. Die Transformation könne nur erfolgreich sein, wenn sie wirtschaftlich tragfähig, technologisch offen und gesellschaftlich akzeptiert bleibe.

In ihrem Schreiben bieten die vier Oberbürgermeister Kommissionspräsidentin von der Leyen ausdrücklich ein persönliches Gespräch an, um die Lage vor Ort und die Herausforderungen der industriellen Transformation zu erörtern.

Die Initiative „Bürgermeister für einen starken Automobilstandort“ wurde nach eigenen Angaben vor rund eineinhalb Jahren von den vier Städten gegründet. Inzwischen hätten sich zahlreiche weitere Automobil- und Zulieferstandorte aus ganz Deutschland angeschlossen.

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