Ökonom warnt vor Rüstungsinflation
Der Ökonom und Rüstungsexperte Guntram Wolff vom Brüsseler thinktank Bruegel äußert Bedenken, dass die hohe staatliche Nachfrage und die Aufhebung der Schuldengrenze für Verteidigungsausgaben die Inflation bei Rüstungsgütern anheizen könnten. „Der Druck, die Verteidigungsbudgets zu verausgaben, ist groß“, sagte Wolff dem „spiegel“. Er kritisierte die hohen preise, die für Rüstungsgüter gezahlt werden.
Untersuchungen zur Preisentwicklung
Ein Preisindex für die Waffenbranche,ähnlich wie bei Verbraucherpreisen,fehlt.Forscher des Kiel Instituts für Weltwirtschaft haben jedoch die Preisentwicklung für ausgewählte Produkte untersucht. So bestellte der Bund Ende 2022 140 Geländefahrzeuge des Typs BvS10 für rund 2,9 Millionen euro pro Stück. Wenige Monate später kosteten weitere 227 Fahrzeuge je gut 4 Millionen Euro. Dieses Beispiel stützt laut Wolff die These der Rüstungsinflation.
Preisentwicklung bei Kampfpanzern und Munition
Bei Kampfpanzern des Typs Leopard 2 A8 fiel der Preis von 29,2 Millionen Euro pro Stück im Mai 2023 auf 27,6 Millionen Euro im Juli 2024. Die Bestellmenge stieg von 18 auf 105 Panzer. Der Preis für 155-Millimeter-Artilleriemunition sank bei erhöhter Bestellmenge um fast 30 Prozent. Höhere Stückzahlen führen zu günstigeren Preisen, wenn es funktionierenden Wettbewerb gibt.Artillerie wird von verschiedenen Produzenten geliefert, und Munitionshersteller wie Rheinmetall haben neue Werke gebaut.
Kritik an vergabepraxis
Der Bundesrechnungshof kritisierte im Dezember die Direktvergabe von Aufträgen ohne wettbewerb, die Rüstungsinflation begünstige. Das Gesetz zur beschleunigten Planung und Beschaffung für die Bundeswehr, das Verteidigungsminister Boris Pistorius vorantreibt, könnte dieses Problem verschärfen. Der Haushaltsausschuss stoppte zuletzt zwei Beschaffungsvorhaben und kritisierte ebenfalls die Vergabepraxis.











