Bearbeitungszeiten von steuererklärungen: Berliner Finanzämter bundesweit am schnellsten
Im jahr 2025 haben die Finanzämter in Berlin Einkommensteuererklärungen im Bundesvergleich am schnellsten bearbeitet. Steuerpflichtige in der Hauptstadt warteten im Durchschnitt 46 Tage auf ihren Steuerbescheid. In Hamburg und Sachsen waren es jeweils 47 Tage. Am längsten mussten Bürger in Bremen warten, dort vergingen im Schnitt 74 Tage zwischen Abgabe der Einkommensteuererklärung und Erhalt des Bescheids.
Ergebnisse einer umfangreichen Stichprobe
Datengrundlage und Methodik
Die Zahlen gehen auf eine Auswertung des Online-Steuerportals Lohnsteuer-kompakt zurück,über die die „Welt am Sonntag“ berichtet. Nach Angaben des Betreibers wurden rund 400.000 Steuererklärungen berücksichtigt, die im Jahr 2025 über die Plattform eingereicht wurden.Um verzerrungen zu vermeiden, flossen nur Finanzämter in die Auswertung ein, bei denen mindestens 50 Steuererklärungen abgegeben wurden. Im jahr 2025 erfüllten 482 von insgesamt 517 Finanzämtern diese Bedingung.
Bundesweiter Durchschnitt und Entwicklung
Bundesweit benötigten die Finanzämter im Durchschnitt 50 Tage für die Erstellung eines Einkommensteuerbescheids. Das ist ein Tag weniger als 2024 und sieben Tage weniger als 2023. Im Jahr 2023 hatten Sonderaufgaben im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie und der anstehenden Grundsteuerreform zu Bearbeitungsstaus in vielen Finanzämtern geführt. Diese Rückstände sind nach Angaben des Portals inzwischen abgebaut. bereits 2021 lag die durchschnittliche Bearbeitungszeit mit 49 Tagen leicht unter dem aktuellen Wert.
Bewertung durch das Bundesfinanzministerium
Das Bundesfinanzministerium bestätigt die Ergebnisse der Stichprobe weitgehend. „Für 2025 wird bezogen auf das Bundesgebiet eine durchschnittliche Bearbeitungszeit von 51 Kalendertagen erwartet“, teilte das Ministerium auf Anfrage mit. Eine amtliche Zahl liegt noch nicht vor.Für 2026 strebt das Bundesfinanzministerium gemeinsam mit den Ländern eine durchschnittliche Bearbeitungszeit von 49 kalendertagen für eine Einkommensteuererklärung an. „Diese Entwicklung soll insbesondere durch optimierte Abläufe und eine höhere Autofallquote erreicht werden“, sagte ein Sprecher.
Forderungen von Verbänden
Deutsche Steuergewerkschaft setzt auf Vereinfachung
Die Deutsche Steuergewerkschaft sieht weiteres Potenzial für Beschleunigungen. „Das Ziel muss sein, dass der Großteil der Steuerpflichtigen überhaupt keine Steuererklärung mehr abgeben muss“, sagte der Bundesvorsitzende Florian Köbler. Aus seiner Sicht ist nun die Politik gefordert. Es brauche einen entschlossenen Ausbau der Digitalisierung sowie eine substanzielle Vereinfachung des Steuerrechts, um die Bearbeitungszeiten dauerhaft zu verkürzen.
Bund der Steuerzahler für vorausgefüllte Steuererklärung
Der Bund der steuerzahler fordert einen ähnlichen Ansatz. „Wir fordern seit Langem die vorausgefüllte Steuererklärung, die in anderen Ländern längst Standard ist“, sagte daniela Karbe-geßler, Leiterin Steuerrecht und Steuerpolitik. Die Finanzverwaltung verfüge über viele Daten der Bürger, die sie besser nutzen könne. Aus ihrer Sicht ließe sich dadurch die geschwindigkeit bei der Bearbeitung von Einkommensteuererklärungen deutlich erhöhen.











