Historiker Simon Matzerath stellt Buch über Anton-von-Werner-Gemälde vor

Lesung in der Stadtbücherei St. Ingbert beleuchtet Geschichte und Restaurierung eines verschollenen Gemäldezyklus

Aktuelles aus St. Ingbert | Bild: Stadt St. Ingbert News & Nachrichten

In der Stadtbücherei St. Ingbert stellte Historiker Simon Matzerath sein Sachbuch „Inszenierung der Nation“ vor. Es geht um einen wiederentdeckten Gemäldezyklus zum Deutsch-Französischen Krieg und dessen Bedeutung für die Erinnerungskultur.

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Der Historiker, Archäologe und Denkmalpfleger Simon Matzerath hat am Donnerstag, 10. September, in der Stadtbücherei St. Ingbert sein Sachbuch „Inszenierung der Nation“ vorgestellt. Die Lesung mit Bildvortrag stieß laut Veranstalter auf großes Interesse. Das im St. Ingberter Conte Verlag erschienene Buch behandelt einen lange verschollenen Gemäldezyklus des Malers Anton von Werner aus dem 1944 zerstörten Altsaarbrücker Rathaus.

Die monumentalen Gemälde thematisieren den Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 und die anschließende Reichseinigung. Matzerath leitete von 2016 bis 2024 das Historische Museum Saarbrücken und führt heute das Landesdenkmalamt Saarland. In seinem Vortrag gab er den Besucherinnen und Besuchern Einblicke in die Geschichte der Gemälde und deren Wiederherstellung.

Restaurierung stark beschädigter Werke

Matzerath zeigte, wie die durch unsachgemäße Lagerung beschädigten Werke restauriert wurden und ihre ursprüngliche malerische Qualität wieder sichtbar gemacht werden konnte. Er beschrieb den Weg von der Wiederentdeckung der Gemälde über die Restaurierung und digitale Rekonstruktion des ehemaligen Ratssaals bis zur Frage künftiger Präsentationsmöglichkeiten.

Kritische Auseinandersetzung mit Historienmalerei

In seinem Vortrag setzte sich Matzerath auch kritisch mit der Aussagekraft der Historienmalerei auseinander. Die Gemälde vermitteln nach seiner Darstellung ein patriotisch geprägtes Geschichtsbild und zeigen, wie Geschichte im Kaiserreich inszeniert und zur nationalen Identitätsbildung genutzt wurde. Damit berührt das Thema laut Veranstalter auch aktuelle Fragen der Erinnerungskultur, Geschichtspolitik und des Umgangs mit nationalistischen Bildwelten.

Im anschließenden Austausch mit dem Publikum wurde unter anderem über nationale Identität, Ausgrenzung und die Bedeutung der deutsch-französischen Freundschaft diskutiert.

Programm im Herbst

Das Literaturforum St. Ingbert setzt sein Veranstaltungsprogramm im Herbst fort:

  • Donnerstag, 29. Oktober: Ferdinand Knauß stellt seinen Essayband „Der gelähmte Westen“ vor
  • Mittwoch, 4. November: Veranstaltung zu Hermann Hesses Lebenswerk in Kooperation mit der KEB Saarpfalz
  • Montag, 10. November: Stefan Friedrich präsentiert sein Buch „Von der Cowboyband zur Bergkapelle“

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