Alter katholischer Friedhof Neumünster wird Einzeldenkmal

Führungen am 14. September stellen sepulkrales Erbe und Steinbildhauerei Menzel vor

Aktuelles aus Ottweiler | Bild: Stadt Ottweiler Tag des offenen Denkmals

Der ehemalige katholische Friedhof Neumünster in Ottweiler ist seit Ende Juli als Einzeldenkmal in die Saarländische Denkmalliste eingetragen. Zwei Führungen am 14. September informieren über die Geschichte des Friedhofs und seinen seltenen Gräberkreuzweg.

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Der ehemalige katholische Friedhof Neumünster in Ottweiler ist seit Ende Juli in die Saarländische Denkmalliste als Einzeldenkmal aufgenommen worden. Das geht aus einer Mitteilung hervor. Die Aufnahme erfolgte laut Mitteilung durch Bemühungen des Landesdenkmalamtes unter Federführung von Dr. Knauf, unterstützt durch Hans Werner Büchel und Hans-Joachim Hoffmann.

Der Eintrag lautet demnach: Friedhofstraße, Flur 13, Flurstück 184/3, katholischer Friedhof Neumünster, angelegt 1835, erweitert 1869, 1893 und ab 1929.

Zwei Führungen am 14. September

Die Kreisvolkshochschule (KVHS) veranstaltet in Kooperation mit dem Stadtgeschichtlichen Museum Ottweiler e. V. und dem Heimat- und Kulturverein Ottweiler e. V. am Sonntag, den 14. September, um 11.00 Uhr und 16.00 Uhr Führungen über den Friedhof. Treffpunkt ist der ehemalige katholische Friedhof Neumünster in der Friedhofstraße in Ottweiler. Referenten sind Hans Werner Büchel und Hans-Joachim Hoffmann. Eine Anmeldung bei der KVHS Ottweiler ist erwünscht, eine Teilnahme ist aber auch ohne Anmeldung möglich.

Geschichte der Ottweiler Friedhöfe

Nach Angaben von Hans-Joachim Hoffmann spiegelt die Geschichte der Ottweiler Friedhöfe politische, gesellschaftliche und religiöse Entwicklungen wider. Ottweiler verfügt seit 871 über Friedhöfe, von denen mehrere im Laufe der Zeit verschwunden sind, darunter der Kirchhof des Klosters Neumünster, der erste evangelische Kirchhof im Gäßling sowie der erste katholische Friedhof von 1831 in der heutigen Stennweiler Straße.

Der jüdische Friedhof (1840–1935) und der Paritätische Friedhof (1951–1979), beide am Standort „Auf dem Burg“, erinnern laut Mitteilung an besondere Aspekte der Stadtgeschichte. Der Alte Evangelische Friedhof am Kirchhofweg, belegt bis 1890, war Vorläufer des Evangelischen Friedhofs Seminarstraße, der seit 1979 als kommunaler Friedhof an die Stelle der konfessionellen Friedhöfe trat.

Erweiterungen und Denkmalschutzgründe

Hans Werner Büchel informiert bei dem Rundgang über die schrittweise Erweiterung des Friedhofs Neumünster. Der 1835 eröffnete und zuletzt 2006 belegte Friedhof am Ostrand der Stadt bewahrt nach Angaben der Mitteilung große Teile seiner historischen Umfassungsmauer, eine Trauerhalle aus den 1930er Jahren sowie ein Priestergemeinschaftsgrab, in dem unter anderem Pfarrer Johann Anton Joseph Hansen (1801–1875) bestattet ist.

Auf dem Friedhof befinden sich zudem Denkmäler und Gräber der Kriege 1870/71, 1914–18 und 1939–45 sowie ein Gedenkstein für vier in Ottweiler verstorbene katholische Zwangsarbeiter.

Seltener Gräberkreuzweg

Entscheidend für die Unterschutzstellung war laut Mitteilung der Gräberkreuzweg – ein kulturhistorisches Kleinod, das in Deutschland nur selten vorkommt. Pastor Nikolaus Jonas, Ottweiler Pfarrer von 1936 bis 1940, initiierte die Errichtung der 14 Kreuzwegstationen. Er plante, den Kreuzweg vor der Friedhofskapelle um sieben Stationen der Schmerzen Mariens zu ergänzen.

Die Friedhofskapelle, ursprünglich testamentarisch als Marienkapelle vorgesehen, wurde 1934 durch die Ottweiler Firmen Sick & Söhne, Dachdecker Philippi und Klempner Albert Jung errichtet. Die Grabmale gestaltete die Ottweiler Steinbildhauerei Menzel.

Offene Fragen zur Entstehungszeit

Die Referenten verweisen laut Mitteilung auf offene Fragen: Der Verbleib der fehlenden Station 10 des Kreuzwegs ist unklar, ebenso ob frühe Fotografien aus der Zeit um 1900 existieren.

Die Errichtung des Gräberkreuzweges 1938/39 wirft nach Darstellung der Referenten die Frage auf, ob Pastor Jonas damit ein Zeichen gegen Eingriffe des NS-Staates in innerkirchliche Angelegenheiten setzen wollte. Ab 1935 war es demnach zu Störungen der Fronleichnamsprozession und Beschränkungen der kirchlichen Jugendarbeit gekommen, 1937 wurden durch die Einführung der „christlichen Gemeinschaftsschule“ die Konfessionen aus dem Schulwesen verdrängt. Errichtung und Planung deuten laut Mitteilung darauf hin, dass die Pfarrei Ottweiler nicht auf ein öffentliches Glaubensbekenntnis verzichten wollte.

Die Referenten regen zudem an, sämtliche Arbeiten der Steinbildhauerei Menzel in Ottweiler und Umgebung zu erfassen und zu dokumentieren.

Anfrage zu Baumbestattungen

Hans-Joachim Hoffmann nahm die Aufnahme des Friedhofs in die Denkmalliste zum Anlass, beim Ortsrat Ottweiler eine Änderung der Friedhofssatzung anzuregen, um auf dem Friedhof Neumünster Baumbestattungen zuzulassen. Nach Ansicht des Antragstellers würde dies eine würdigere Baumbestattung ermöglichen als derzeit auf dem Friedhof Seminarstraße und den Friedhof Neumünster stärker im öffentlichen Bewusstsein halten.

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