Abschied von Thomas Krüger als Präsident der bundeszentrale für politische Bildung
kritik an Zuweisung der Opferrolle an ostdeutsche
Der scheidende Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, Thomas Krüger, hat anlässlich seines Abschieds eine zunehmende opferrolle der Ostdeutschen beklagt. Im Gespräch mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland äußerte Krüger, dass in Auseinandersetzungen mit Ostdeutschland häufig vorschnell Urteile gefällt würden. Aussagen wie „So sind die Ostdeutschen – rechts oder menschenfeindlich zum Beispiel“ seien oft falsch und wirkten kränkend.
Vielfalt in ostdeutschland betont
Krüger betonte, dass es ihn störe, wenn Ostdeutschen immer häufiger eine Opferrolle zugewiesen werde oder sie sich selbst in diese Rolle begäben. Er hob hervor, dass Ostdeutsche äußerst vielfältig seien, ebenso wie die DDR es gewesen sei. In Ostdeutschland gebe es queere, marginalisierte, kluge und weniger kluge Menschen – wie auch in Westdeutschland.
Appell für offenen Diskurs
Krüger forderte dazu auf, die Ostdeutschen herauszufordern, damit sie offen über eigene Stärken und Schwächen sprechen. Dafür brauche es couragierte Menschen aus Ostdeutschland, die den öffentlichen Diskurs aktiv mitgestalten.
Vergleich mit mittel- und osteuropäischen Staaten
Krüger regte an,Ostdeutschland weniger mit Westdeutschland und stärker mit anderen mittel- und osteuropäischen Staaten zu vergleichen. Wäre Ostdeutschland ein eigener Staat, müsse man verstärkt auf die Entwicklungen in postkommunistischen Gesellschaften in Mittel- und Osteuropa schauen. Besonders unter jüngeren Menschen sei dort durch Freizügigkeit und Mobilität mehr Dynamik zu beobachten als bei älteren Generationen. Trotz hoher Zustimmung zu rechtspopulistischen Parteien in osteuropäischen Ländern könne man diese Gesellschaften nicht einseitig bewerten, da auch dort Veränderungsbereitschaft vorhanden sei.
Plädoyer für Toleranz in der Demokratie
Zum Abschluss seiner Amtszeit rief Krüger zu mehr wechselseitiger Toleranz in der Demokratie auf. Demokratie bedeute, anderer Meinung sein zu können, solange die vom Grundgesetz gesetzten roten Linien eingehalten würden. Menschenfeindlichkeit, Verachtung von Menschenrechten und Homophobie überschritten diese Grenzen.
Herausforderungen für die Demokratie
Krüger äußerte die Vermutung, dass die Demokratie durch den anspruch auf empowerment und Sichtbarkeit für viele benachteiligte Gruppen möglicherweise überfordert sei.Dies könne dazu führen,dass Menschen sich an bestimmte gesellschaftliche Gruppen binden und sich abgrenzend gegenüber anderen Gruppen verhalten. Formen der Disziplinierung innerhalb von Gruppen, wenn Mitglieder abweichende Meinungen äußern, seien problematisch für die Demokratie. es komme darauf an, freie und offene Diskurse auszuhalten und unterschiedliche Meinungen auch im persönlichen Umfeld zu akzeptieren.
persönlicher Abschied
Thomas Krüger, geboren in Thüringen, scheidet nach 25 Jahren an der Spitze der bundeszentrale für politische Bildung aus dem Amt und wird offiziell in den Ruhestand verabschiedet.