Deutlich weniger Kohlestrom in Deutschland im Jahr 2025
Deutschland hat 2025 so wenig Kohlestrom erzeugt wie seit 69 Jahren nicht mehr.Nach einer Auswertung des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (Fraunhofer ISE), über die der „Spiegel“ berichtet, betrug die Bruttostromerzeugung aus braun- und Steinkohle im vergangenen Jahr 106 Terawattstunden (TWh). Das waren rund eine Terawattstunde weniger als 2024 und damit der niedrigste Wert seit 1956.
Der Anteil der Kohle am gesamten deutschen Strommix sank auf 22,4 Prozent. vor zwanzig Jahren lag dieser Anteil noch ungefähr doppelt so hoch.
Zuwachs bei erneuerbaren Energien
Im Gegenzug wurde 2025 in Deutschland mehr Elektrizität aus erneuerbaren Energien erzeugt als jemals zuvor. Erstmals lieferten Solaranlagen mehr Strom als Braunkohlekraftwerke. Wichtigste Quelle der Stromerzeugung blieb die Windkraft.
Die nettostromerzeugung aus erneuerbaren Energien stieg um gut zwei Prozent auf den neuen Höchstwert von 282,2 Terawattstunden.Insgesamt stammten 2025 rund 59 Prozent der deutschen Nettostromerzeugung aus erneuerbaren Energien.
Ökonomische Rahmenbedingungen für Kohlestrom
Emissionsrechte verteuern Kohleverstromung
„Die Kohleverstromung lohnt sich ökonomisch oft nicht mehr“, sagte Bruno Burger, Professor am Fraunhofer ISE, dem Nachrichtenmagazin.Durch die hohen Preise für Emissionsrechte sei der Kohlestrom sehr teuer geworden.
Ein Zertifikat, das Industriebetriebe und Stromerzeuger in der Europäischen Union zum Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) berechtigt, kostete zuletzt fast 90 euro je Tonne CO2. Bei der Erzeugung einer Megawattstunde Elektrizität aus braunkohle werden im Durchschnitt etwa 400 Kilogramm CO2 freigesetzt.
Steigende Auslastung von Erdgaskraftwerken
Erdgaskraftwerke waren 2025 stärker ausgelastet.Gründe dafür waren unter anderem gesunkene Großhandelspreise für Erdgas. Parallel dazu setzte sich der Ausbau der erneuerbaren Energien fort, was zu dem genannten Rekordwert bei der Nettostromerzeugung führte.
Methodik der Stromstatistik
Die Nettostromerzeugung errechnet sich aus der gesamten Stromerzeugung eines Kraftwerks abzüglich dessen Eigenverbrauch, etwa für den Betrieb von Kohlemühlen. Für den historischen Vergleich der Stromgewinnung aus Braun- und Steinkohle nutzte das Fraunhofer ISE die Bruttostromerzeugung, also ohne Abzug des Eigenverbrauchs, da das statistische Bundesamt bis 1988 nur diese Daten erhob.
Rückgang beim Braunkohleabbau und Kohleausstieg
Der Abbau von Braunkohle dürfte 2025 nach Einschätzung von Bruno Burger auf den niedrigsten Stand seit mehr als einem Jahrhundert gefallen sein. Bereits im Vorjahr war in Deutschland so wenig Braunkohle wie seit 1916 nicht mehr gefördert worden.Bundestag und Bundesrat haben den Ausstieg aus der Kohleverstromung bis spätestens 2038 beschlossen.










