arbeitgeberpräsident Dulger fordert reform der Lohnfortzahlung
Angesichts gestiegener Fehlzeiten in Unternehmen fordert der Präsident der bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Rainer Dulger, eine grundlegende Reform der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Zudem spricht er sich für ein Ende der telefonischen krankschreibung aus.
Forderung nach Ende der telefonischen Krankschreibung
Dulger verwies gegenüber der Zeitung „Welt“ auf internationale Erfahrungen.„Je großzügiger die Lohnfortzahlung, desto höher die Fehlzeiten, vor allem bei leichten Erkrankungen“, sagte der BDA-Präsident. Eine zentrale Forderung der Arbeitgeber sei daher das Ende der telefonischen Krankschreibung.
„Die telefonische Krankschreibung gehört abgeschafft“, sagte Dulger. Sie sei ein Notinstrument in der Pandemie gewesen, sei heute aber ein Einfallstor für Missbrauch. Als Alternative nannte er Videosprechstunden, die nach seiner Darstellung eine zeitgemäßere und bessere Lösung seien.
Begrenzung der Lohnfortzahlung und Streichung von Zuschlägen
Maximal sechs Wochen Lohnfortzahlung pro Jahr
Der Verbandspräsident fordert zudem, die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall auf maximal sechs Wochen pro Jahr zu begrenzen. Bisher haben Beschäftigte für jede Erkrankung Anspruch auf bis zu sechs Wochen Lohnfortzahlung.
Da die Lohnfortzahlung bislang an einzelne Krankheitsfälle gekoppelt ist,können Beschäftigte unter bestimmten Voraussetzungen mehrfach innerhalb eines Jahres jeweils bis zu sechs Wochen Lohnfortzahlung erhalten.Dies will Dulger ändern.
Zuschläge im Krankheitsfall nicht mehr fortzahlen
Außerdem plädiert Dulger dafür, Zuschläge für Nacht-, Sonntags- und Mehrarbeit im Krankheitsfall nicht mehr fortzuzahlen. „Wer nicht arbeitet, hat auch keine Mehrbelastung“, sagte der BDA-Präsident.
Nach seinem Vorschlag soll zudem der Medizinische Dienst der Krankenkassen Arbeitsunfähigkeiten häufiger und schneller überprüfen können. Derzeit seien entsprechende Prüfungen die Ausnahme.
Hintergrund: Steigende Fehlzeiten und Kosten
Hintergrund der forderungen ist ein Anstieg der Fehlzeiten seit dem Jahr 2022. Im Jahr 2024 haben Arbeitgeber nach Berechnungen des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) rund 82 Milliarden Euro für die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall gezahlt.
Zusätzlich zu diesen Ausgaben entstanden Unternehmen und Volkswirtschaft weitere Kosten durch Produktionsausfälle und entgangene Wertschöpfung. Laut einer aktuellen Untersuchung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin verursachten Fehltage im Jahr 2024 Produktionsausfälle in Höhe von insgesamt 134 Milliarden Euro. Demnach war im Jahr 2024 jeder Beschäftigte im Durchschnitt 20,8 Tage krank.










