Der erhoffte Befreiungsschlag ist ausgeblieben, die Krise beim 1. FC Saarbrücken verschärft sich weiter – dennoch darf man aus diesem Spiel Hoffnung schöpfen. Nach einer turbulenten Woche mit der Trennung von Alois Schwartz und der Übernahme durch Sportdirektor Jürgen Luginger unterlagen die Blau-Schwarzen am Samstagnachmittag Rot-Weiss Essen vor 12.996 Zuschauern im Ludwigspark mit 2:3 (0:0). Es ist das neunte Ligaspiel in Folge ohne Sieg für den FCS. Besonders schmerzhaft: Der entscheidende Gegentreffer fiel erst in der 90. Minute.
Rückkehr von Zeitz und Fan-Proteste
Luginger, der das Team bis zur Winterpause betreuen soll, setzte bei seinem Einstand personell und taktisch Akzente. Er stellte auf ein 4-3-3-System um und brachte vier Neue. Besonders die Rückkehr von Ex-Kapitän Manuel Zeitz wurde von den Rängen lautstark gefeiert. Zudem begannen Abdoulaye Kamara, Tim Civeja und Patrick Schmidt, der den angeschlagenen Kai Brünker ersetzte.
Die Partie begann in gespenstischer Atmosphäre. Aus Protest gegen geplante Sicherheitsverschärfungen durch die Politik verzichteten beide Fanlager in den ersten zwölf Minuten auf Support. Auf dem Rasen ging es dennoch intensiv zur Sache. Patrick Schmidt stand früh im Fokus: Sein Treffer in der 4. Minute wurde wegen Abseits aberkannt, in der 24. Minute vergab er nach feinem Zuspiel von Civeja freistehend, als RWE-Verteidiger José-Enrique Rios-Alonso für seinen geschlagenen Keeper Jakob Golz auf der Linie rettete.
Chancenwucher vor der Pause
Die Gäste, trainiert von Ex-FCS-Coach Uwe Koschinat, taten sich offensiv zunächst schwer, kamen aber durch Kaito Mizuta (35.) zu einer gefährlichen Gelegenheit, die FCS-Torwart Phillip Menzel vereitelte. Kurz vor dem Halbzeitpfiff hätten die Hausherren zwingend in Führung gehen müssen. Nach einem starken Solo von Civeja landete dessen Querpass bei Kamara, der jedoch aus kurzer Distanz an Golz scheiterte (43.). So ging es torlos in die Kabinen.
Wilder Schlagabtausch nach Wiederanpfiff
Was im ersten Durchgang fehlte, lieferte der zweite sofort: Tore. Nur zwei Minuten nach Wiederbeginn köpfte Patrick Schmidt eine Ecke von Florian Pick zum verdienten 1:0 (47.) ein. Doch die Freude währte nur kurz. Zehn Minuten später nutzte Essen eine Unordnung in der Saarbrücker Defensive: Lucas Brumme bediente Torben Müsel, der zum 1:1 ausglich (57.).
Die Luginger-Elf zeigte jedoch Moral und schlug zurück. Wieder war Schmidt beteiligt, der Florian Pick bediente. Dieser ließ Rios-Alonso aussteigen und hämmerte den Ball unter die Latte – 2:1 für Saarbrücken (62.). Der Ludwigspark kochte, der erste Dreier seit Wochen schien greifbar.
Koschinats Joker stechen, FCS bricht ein
RWE-Coach Koschinat reagierte mit einem offensiven Dreifachwechsel, der das Spiel kippen sollte. In einer hektischen Schlussphase blockte FCS-Verteidiger Philip Fahrner einen Schuss von Brumme mit der Hand. Den fälligen unstrittigen Elfmeter verwandelte der eingewechselte Ahmet Arslan sicher zum 2:2 (84.).
In den letzten Minuten überschlugen sich die Ereignisse. Zunächst hatte der für Saarbrücken eingewechselte Rodney Elongo-Yombo den Siegtreffer auf dem Fuß, scheiterte aber am glänzend reagierenden Jakob Golz (88.). Im direkten Gegenzug folgte die kalte Dusche: Nach einer eigenen Ecke lief der FCS in einen Konter. Marvin Obuz trieb den Ball nach vorne und bediente den mitgelaufenen Joker Franci Bouebari, der eiskalt zum 2:3-Endstand vollstreckte (90.).
Nach dem Spiel. zeigte sich FCS-Coach Jürgen Luginger geknickt: „Es ist ein bitterer Tag. Wir haben viel investiert. Wir sind zweimal in Führung gegangen. Wir hatten nach dem 2:2 die Riesenchance. Der Gegner macht aus wenig viel. Das ist extrem bitter. Auf der Leistung können wir aber aufbauen.“
Ähnlich sieht es RWE-Coach Uwe Koschinat: „Man muss ehrlich sagen, dass das Ergebnis auch andersrum hätte ausgehen können. Wir waren sehr konteranfällig, auf der anderen Seite hatten wir viel Ballbesitz und eine gute Kontrolle gehabt. Wir haben sehr gute Einwechselspieler gehabt. Es ist sicher Blödsinn, von einem verdienten Sieg zu sprechen. Aber das ist manchmal egal.“
Ausblick: Druck vor dem Derby wächst
Für den 1. FC Saarbrücken ist die Art und Weise der Niederlage ein schwerer Schlag für die Moral. Trotz deutlich verbessertem Auftritt steht am Ende erneut null Ertrag. Die Vorzeichen für das kommende Wochenende könnten kaum schlechter sein: Am Sonntag muss der FCS zum brisanten Derby bei Waldhof Mannheim reisen. Ganz mutlos brauchen die Blau-Schwarzen die Reise jedoch nicht anzutreten – heute gab es sehr viele positive Ansätze zu sehen.
Bildquellen
- FCS-RWE: Don Roberto










