Die Landeshauptstadt Saarbrücken hat am Donnerstag, 2. April, auf dem ehemaligen Messegelände am Schanzenberg eine Gedenkstele eingeweiht. Sie erinnert an die Menschen, die zwischen 1940 und 1944 in fünf Zwangsarbeiterlagern auf dem Gelände untergebracht waren.
Bis zu 1.500 Menschen in einfachen Holzbaracken
Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges waren am Schanzenberg zwischen 1.100 und 1.500 Menschen festgehalten worden – Personen aller Altersgruppen und Geschlechter. Nach Angaben der Stadt stammte mehr als die Hälfte von ihnen aus der Sowjetunion. Die fünf Lager am Schanzenberg waren Teil eines Netzes von insgesamt 50 Zwangsarbeiterlagern im damaligen Saarbrücker Stadtgebiet.
Die Lager wurden bewusst abseits der Bevölkerung errichtet, um Kontakte zu minimieren und zugleich kurze Wege zu den Arbeitsorten zu sichern. Die Unterbringung erfolgte in einfachen Holzbaracken bei unzureichender Versorgung mit sanitären Anlagen und Verpflegung. Zugang zum nahegelegenen Luftschutzbunker am Schanzenberg hatten die Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter nicht.
Die Stele wurde in unmittelbarer Nähe zum Eingang eines geplanten, aber nicht fertiggestellten Luftschutzbunkers errichtet.
Initiative ging von einem Saarbrücker Autor aus
Den Anstoß für die neue Gedenkstele gab im November 2023 der Saarbrücker Autor Florian Brunner. Er regte an, den Erinnerungsort wieder sichtbar zu machen, nachdem ein früheres Hinweisschild von Landeshauptstadt und Saarmesse im Zuge von Hangsicherungsmaßnahmen entfernt worden war. In Abstimmung mit der Investorenfamilie der Reichenberger Gruppe entschied die Stadt daraufhin, eine Stele zu errichten.
Zwei Meter hohes Sicherheitsglas mit Informationstexten
Die 90 Zentimeter breite Stele besteht aus einer zwei Meter hohen Sicherheitsglasscheibe in einer Halterung aus Edelstahl. Eine Textfolie informiert über die ehemaligen Zwangsarbeiterlager sowie über Einsatz und Unterbringung der dort festgehaltenen Menschen.
Oberbürgermeister Uwe Conradt erklärte bei der Einweihung:
„Die neue Gedenkstele ist ein wichtiges Zeichen unserer Erinnerungskultur. Sie erinnert uns daran, dass das Leid der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter Teil der Geschichte unserer Stadt ist. Es liegt in unserer Verantwortung, dieses Unrecht nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Gerade im öffentlichen Raum schafft die Stele Sichtbarkeit und Bewusstsein, wie wichtig ein respektvolles Miteinander, gelebte Solidarität und die Wahrung unserer demokratischen Werte sind.“
Teil eines größeren Netzwerks von Gedenkorten
Die neue Stele ergänzt nach Angaben der Stadt weitere bestehende Erinnerungsorte in Saarbrücken, darunter:
- das Band der Erinnerung vor der Synagoge
- die Skulpturengruppe Der unterbrochene Wald am Rabbiner-Rülf-Platz
- die Gedenkstätte für den Widerstandskämpfer Willi Graf auf dem Friedhof St. Johann
- die Stolpersteine in allen vier Stadtbezirken



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