Erste Rückmeldungen sind eingegangen – die Reaktionen fallen gemischt aus. Bürgermeister Christian Jung hätte sich eine vorherige Einbindung der Stadtverwaltung gewünscht.
Auslöser für die Initiative waren nach Angaben der SFF Beschwerden von Bürgerinnen und Bürgern über den Rückgang an Einkaufsmöglichkeiten in der Stadt. Daraufhin verschickte die Fraktion am 17. März 2026 Anfragebriefe an mehrere Einzelhandelsketten – darunter Rewe, Penny, Netto, EDEKA und Hit, um deren grundsätzliches Interesse an einer Ansiedlung im Stadtgebiet Friedrichsthal zu erkunden. Die SFF sieht sich dabei ausdrücklich nur als Vermittler: Konkrete Planung und Organisation lägen bei der Stadtverwaltung, man stünde bei Standortsuche, Kontaktvermittlung gerne zur Verfügung. Gesucht wird ein Markt für die Gesamtstadt – nicht ausschließlich für den Kernstadtteil Friedrichsthal, wie in einigen Facebook-Kommentaren behauptet wurde. Dies betonte die Soziale Fraktion Friedrichsthal im Regio-Journal-Gespräch deutlich.
Der EDEKA-Markt in der Stadtmitte von Friedrichsthal – gegenüber dem Rathaus gelegen – soll voraussichtlich Ende dieses Jahres zum neuen Standort „Untere Hofwiesen“ in den früheren Wasgau-Markt umziehen. Damit entfällt ein zentraler Nahversorger im bisherigen Stadtkern. Im Ortsteil Bildstock gibt es keinen regulären Supermarkt mehr. Am Marktplatz betreibt die Neue Arbeit Saar den „Bildstocker Kauftreff“ – ein Kleinmarkt mit Waren des täglichen Bedarfs und kleinerem Café-Bereich. Ältere und beeinträchtigte Menschen können bestellte Waren kostenlos nach Hause geliefert bekommen, Bestellungen sind auch telefonisch möglich.
Gemischte Rückmeldungen von Handelsketten
Bislang haben mehrere Ketten geantwortet. Die erste Rückmeldung war negativ, ein kontaktierter Markt lehnte eine Ansiedlung ab: Aufgrund des bestehenden Filialnetzes in der näheren Umgebung lasse sich ein Standort in Friedrichsthal aus wirtschaftlichen Gründen nicht realisieren. Eine weitere Kette teilte mit, kein freies Marktpotenzial zu sehen – mit Verweis auf den hohen Wettbewerbsbesatz in der Region, insbesondere im großflächigen Lebensmitteleinzelhandel. Für einen Discounter könnte Friedrichsthal aufgrund einer anderen Kostenstruktur dennoch in Frage kommen, so die Einschätzung dieser Kette.
Eine dritte Rückmeldung fiel nach Angaben der SFF positiver aus: Ein Unternehmensvertreter signalisierte Interesse, den Standort genauer zu prüfen – voraussichtlich Mitte oder Ende April, nach den Osterferien. Nach eigenen Angaben hatte dieser bereits zuvor versucht, eine geeignete Fläche für einen Markt zu finden. Die SFF rief Bürgerinnen und Bürger auf, geeignete Grundstücke zu melden, damit bis April entsprechende Unterlagen wie Lagepläne vorbereitet werden könnten.
Flächenfrage als zentrale Hürde
Geeignete Flächen sind im Stadtgebiet stark begrenzt. Zeitgemäße Supermärkte benötigen in der Regel mehr als 700 bis 1.000 Quadratmeter Verkaufsfläche. Bürgermeister Jung nennt auf Nachfrage konkret nur eine Fläche, die in Betracht käme: ein Grundstück im Ortsteil Bildstock an der Neunkircher Straße. Für diesen Standort, der für mehrere Nutzungen vorgesehen ist – darunter Altenpflege und Einkaufsmarkt –, laufe das Planungsverfahren bereits. Allerdings stehen noch Abstimmungen mit der Landesplanung aus, es folgen gegebenenfalls Flächennutzungsplan und Bebauungsplan. Ein früheres Vorhaben an der Grubenstraße war nach Jungs Angaben gescheitert, weil die aufwändige Hangabstützung die Investitionskosten für die Betreiber zu hoch getrieben hatte.
Neue Bushaltestelle für künftigen EDEKA-Standort geplant
Parallel dazu hat die Stadtverwaltung mit dem zuständigen Nahverkehrsträger bereits abgestimmt, dass eine bestehende Busverbindung künftig einen Umweg zum neuen EDEKA-Standort an den Unteren Hofwiesen einlegen wird. Dort soll eine neue Haltestelle eingerichtet werden – eine Maßnahme, die insbesondere älteren und mobilitätseingeschränkten Bürgerinnen und Bürgern zugutekommen soll.
Bürgermeister hätte Einbindung begrüßt
Bürgermeister Jung bestätigte auf Anfrage des Regio-Journals, dass die Stadtverwaltung in die Initiative der SFF nicht eingebunden war. „Die Initiative wurde ohne eine Einbindung der Stadtverwaltung gestartet. Ich hätte es begrüßt, wenn man die Verwaltung über das Vorhaben unterrichtet hätte“, so Jung. Zur Wahrheit gehöre aber auch, dass die personellen und finanziellen Kapazitäten im Bereich eigener Wirtschaftsförderung „gegen Null“ gehen, so Jung weiter. Man stehe in sehr gutem Kontakt zur Wirtschaftsförderung des Regionalverbandes. Dort seien die vorhandenen Flächen bekannt und die Mitarbeiter dort stünden zur Verfügung. Auch sei man Mitglied in der „Wirtschaftsregion Saarbrücken e.V.“
Zur Frage nach weiteren Ansiedlungsperspektiven und der Mithilfe durch die Soziale Fraktion Friedrichsthal erklärte Jung abschließend: „Wenn die Vermittlung erfolgreich ist, freut mich das. Die Verwaltung wird für alle Gespräche offen sein.“
Das bisherige EDEKA-Gebäude gegenüber dem Rathaus werde nach dem Auszug wohl umgestaltet; konkrete Planungen lägen jedoch noch nicht vor.
Bildquellen
- Supermarkt: Regio-Journal










