Das Kreiskrankenhaus St. Ingbert will seine Schwerpunkte in der Orthopädie und Unfallchirurgie sowie in der Altersmedizin und geriatrischen Rehabilitation weiter stärken. Das teilte die Krankenhausleitung in einer Mitteilung mit. Nach dem derzeitigen Stand der Gespräche mit dem Land ist demnach zu erwarten, dass die Bereiche HNO und Wirbelsäulenchirurgie perspektivisch nicht am Standort fortgeführt werden.
Die Krankenhausplanung ist nach Angaben des Krankenhauses noch nicht abgeschlossen. Die bisherigen Gespräche mit dem Land über die künftige Planung und die Umsetzung der Krankenhausreform bestärkten die Klinik jedoch darin, ihren vor einigen Jahren eingeschlagenen strategischen Kurs fortzusetzen. Die Leitung erwartet, dass der Standort langfristig als wohnortnaher Grund- und Regelversorger eine wichtige Rolle in der Region übernimmt.
Landrat Frank John, Aufsichtsratsvorsitzender des Krankenhausträgers, sagte:
„Die bisherigen Gespräche mit dem Land geben uns Anlass zu großer Zuversicht. Für uns ist entscheidend, dass die Menschen im Saarpfalz-Kreis auch künftig auf eine leistungsfähige medizinische Versorgung vor Ort vertrauen können. Gleichzeitig bekommen wir die Chance, St. Ingbert mit einem klaren medizinischen Profil weiterzuentwickeln.“
Orthopädie als Schwerpunkt
Das Kreiskrankenhaus geht nach dem bisherigen Gesprächsstand davon aus, seine orthopädische Versorgung ausbauen zu können. Es will einen umfassenden endoprothetischen Schwerpunkt etablieren. Einen Vorteil des Standorts sehen die Verantwortlichen in der engen Verbindung von Orthopädie, Altersmedizin und geriatrischer Rehabilitation.
Ältere Patientinnen und Patienten hätten neben einer orthopädischen Erkrankung häufig weitere gesundheitliche Einschränkungen, heißt es in der Mitteilung. In St. Ingbert ließen sich operative Behandlung sowie internistische, geriatrische und rehabilitative Expertise eng verbinden.
Die Ärztliche Direktorin Dr. Claudia Meyer-Lang sagte
„Eine neue Hüfte oder ein neues Knie ist bei einem älteren Menschen häufig nur ein Teil der Behandlung. Viele unserer Patienten haben weitere Erkrankungen und brauchen Unterstützung, um wieder mobil und selbstständig zu werden. Genau hier liegt die besondere Stärke von St. Ingbert: Wir verbinden spezialisierte Orthopädie mit einer hochkompetenten Anästhesieabteilung, Altersmedizin, Internistische Expertise, Geriatrie und Rehabilitation. Diese Kombination, die es so nur an unserem Krankenhausstandort gibt, wollen wir als Markenzeichen unseres Hauses weiter ausbauen.“
Einstieg in robotikassistierte Operationen geplant
Technisch will das Krankenhaus seine Orthopädie ebenfalls weiterentwickeln. Geplant ist der Einstieg in robotikassistierte Operationsverfahren, insbesondere in der Endoprothetik. Mit der Investition will die Krankenhausleitung zudem die Attraktivität des Standorts für Patienten und medizinische Fachkräfte erhöhen.
Geschäftsführer Peter Zwirner sagte
„Wenn wir die Orthopädie zu einem Schwerpunkt unseres Hauses entwickeln, wollen wir auch technologisch einen Schritt nach vorne machen. Deshalb planen wir den Einstieg in die Robotik. Unser Anspruch ist es, medizinische Erfahrung, spezialisierte Teams und moderne Technik zusammenzubringen.“
Gesundheitscampus für Altersmedizin
Die Klinik soll nach eigenen Angaben schrittweise zu einem Gesundheitscampus für Altersmedizin mit spezialisierter orthopädischer Versorgung entwickelt werden. Ambulante und stationäre Behandlung, Orthopädie, Geriatrie und Rehabilitation sollen stärker verzahnt werden.
An dieser Entwicklung arbeitet das Krankenhaus laut Mitteilung seit mehreren Jahren. Dazu gehört die engere Zusammenarbeit mit der Universitätsklinik des Saarlandes in der altersmedizinischen Versorgung, künftig auch in der Radiologie.
Ein weiteres Beispiel ist die Mobile Geriatrische Rehabilitation „Reha Zuhause“. Dabei kommen multiprofessionelle Teams zu den Patienten und ermöglichen ihnen eine rehabilitative Versorgung in ihrem häuslichen Umfeld.
Zwirner sagte dazu
„‚Reha Zuhause‘ zeigt, was wir unter einer modernen Versorgung verstehen: Nicht der Patient muss sich an bestehende Strukturen anpassen. Wir müssen die Strukturen stärker an den Bedürfnissen der Menschen ausrichten. Dieses Prinzip wollen wir auf unserem Gesundheitscampus konsequent weiterentwickeln.“
Veränderungen bei HNO und Wirbelsäulenchirurgie
Die durch den erwarteten Wegfall von HNO und Wirbelsäulenchirurgie frei werdenden personellen und infrastrukturellen Möglichkeiten will die Krankenhausleitung nutzen, um die künftigen Schwerpunkte auszubauen. Für die künftige Versorgung in diesen beiden Bereichen wurden demnach bereits Gespräche mit anderen Krankenhausträgern geführt. Für die Beschäftigten sollen nach Möglichkeit Weiterbeschäftigungsperspektiven am Standort geschaffen werden.
Die Belegschaft wurde nach Angaben der Geschäftsführung in einer Betriebsversammlung über den Stand der Krankenhausplanung, die voraussichtlichen Veränderungen und die strategische Ausrichtung informiert. Dabei sei betont worden, dass die Planung noch nicht abgeschlossen ist.
Pflegedirektorin Margit Damm sagte
„Wenn sich Veränderungen abzeichnen, wollen wir unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht erst informieren, wenn Entscheidungen endgültig getroffen sind. Wir wollen offen sagen, was wir wissen, was sich abzeichnet und was noch nicht entschieden ist. Vor allem wollen wir den betroffenen Kolleginnen und Kollegen möglichst früh eine Perspektive bei uns im Haus bieten.“
Investitionen in den Standort
Die vorgesehene Entwicklung ist laut Krankenhaus eine wichtige Grundlage für weitere Investitionsentscheidungen. Sie betreffen die bauliche und medizinische Infrastruktur, die für den schrittweisen Aufbau des Gesundheitscampus erforderlich ist.
Aufsichtsratsvorsitzender John sagte
„Für die Finanzierung der benötigten Infrastruktur sehen wir insbesondere auch das Land in der Verpflichtung.“
Zwirner sagte zur Gesamtentwicklung
„Krankenhausreform bedeutet Veränderung. Unsere Antwort darauf ist nicht Stillstand, sondern ein klares Profil. Wir wollen St. Ingbert zu einem Gesundheitsstandort entwickeln, der spezialisierte Medizin, Altersmedizin, Rehabilitation und wohnortnahe Versorgung miteinander verbindet. Die bisherigen Gespräche mit dem Land stimmen uns zuversichtlich, dass wir diesen Weg konsequent weitergehen können.“







Schreibe einen Kommentar