Ministerpräsidentin Anke Rehlinger hat Hans Bollinger in der Saarländischen Staatskanzlei mit dem Saarländischen Verdienstorden ausgezeichnet. Bollinger ist nach Angaben der Gemeinde Gersheim seit Jahrzehnten in der internationalen und europäischen Bildungs- und Kulturarbeit in Gersheim und im Saarland aktiv.
Bürgermeister Michael Clivot nahm an der Verleihung teil. Er würdigte Bollingers Engagement, das nach seinen Worten weit über die Grenzen der Gemeinde hinausreicht.
Verein „Begegnungen auf der Grenze“
Bollingers Name ist eng mit dem Verein „Begegnungen auf der Grenze – Rencontres à la frontière – Spotkania na granicy“ verbunden. Der Verein feiert 2026 sein 30-jähriges Bestehen. Leitgedanke ist laut Mitteilung, dass Europa nur zusammenwachsen kann, wenn Menschen sich persönlich kennenlernen.
Die Initiative entstand 1996 als deutsch-französisches Kulturprojekt im Europäischen Kulturpark Bliesbruck-Reinheim. Kurze Zeit später wurde Polen einbezogen. Daraus wurde ein trinationales Projekt im Geist des Weimarer Dreiecks.
In drei Jahrzehnten entstanden Konzerte, Lesungen, Kunstausstellungen, Schülerbegegnungen und weitere kulturelle Projekte. Zu Gast waren Künstlerinnen, Künstler und Schriftsteller aus Deutschland, Frankreich und Polen, darunter:
- Hannes Wader
- Georges Moustaki
- Yves Duteil
- Andrzej Stasiuk
- die spätere Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk
Junge Menschen konnten durch Schüleraustausche und gemeinsame Projekte andere Länder, Sprachen und Kulturen kennenlernen.
Verbindung zu Spohns Haus
Die Arbeit des Vereins diente 2005 als Vorbild für die Weiterentwicklung des pädagogischen Profils des Ökologischen Schullandheims Spohns Haus in Gersheim. Seitdem kamen dort nach Angaben der Gemeinde zahlreiche Jugendliche aus Deutschland, Frankreich, Polen und später auch aus der Ukraine zusammen.
Bollinger ist laut Mitteilung seit vielen Jahren eine tragende Säule von Spohns Haus. Seine persönlichen Kontakte, insbesondere nach Polen, hätten dazu beigetragen, internationale Partnerschaften aufzubauen und über Jahre zu erhalten. Später habe er auch Verbindungen in Richtung Ukraine geknüpft.
Stimmen aus Gersheim
Clivot sagte über Bollinger
„Für mich ist Hans ein Held der Völkerverständigung und ein Europäer, wie wir noch viel mehr brauchen. Er lebt Europa nicht nur als politische Idee, sondern ganz praktisch – durch Begegnung, Bildung, Kultur und Freundschaft.“
Weiter sagte der Bürgermeister
„Hans zeigt uns seit Jahrzehnten, dass Frieden und Verständigung nicht irgendwo auf Regierungsebene beginnen. Sie beginnen dort, wo Menschen einander kennenlernen, miteinander reden, gemeinsam feiern, musizieren oder lernen und aus Fremden Freunde werden.“
Die Gemeinde Gersheim nutzte die Auszeichnung nach eigenen Angaben, um Bollinger für sein Lebenswerk zu danken. Clivot sagte:
„Lieber Hans, diese Auszeichnung hast du mehr als verdient. Gersheim ist stolz auf dich. Vor allem aber sind wir dankbar: für deine Energie, deine Beharrlichkeit, deine Menschlichkeit und dafür, dass du über Jahrzehnte immer wieder Menschen zusammengebracht hast. Du hast Brücken gebaut, lange bevor Europa wieder so dringend Brückenbauer brauchte wie heute.“


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