Saarland

App „Stolpersteine Digital“ ist im Saarland gestartet

Alle rund 600 im Saarland verlegten Stolpersteine sind laut Mitteilung in der App erfasst – Schleswig-Holstein ist das einzige weitere Bundesland mit vollständigem Bestand

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Saarland: Mettlach (Duitsland) - panoramio (20), Aerial image of Bostalsee (view from the, Saarschleife 2
Symbolbild | Bild: Geert Budenaerts / CC BY 3.0; Carsten Steger / CC BY-SA 4.0; LoKiLeCh / CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons (bearbeitet)

Seit dem 2. November 2026 ist die App „Stolpersteine Digital“ im Saarland verfügbar. Sie liefert Informationen zu den Menschen, an die Stolpersteine erinnern, und enthält eine Gedenkfunktion.

Die App „Stolpersteine Digital“ ist am 2. November 2026 im Saarland gestartet. Sie enthält nach Angaben der Initiatoren Informationen zu allen im Saarland verlegten Stolpersteinen. Es geht um Menschen, die von den Nationalsozialisten verfolgt, vertrieben und ermordet oder in den Suizid getrieben wurden.

Funktionen der App

Nutzerinnen und Nutzer können mit der Kamera ihres Mobiltelefons Stolpersteine scannen. So rufen sie die Biografie des Menschen ab, an den der Stein erinnert. Die App gibt zudem Auskunft über weiterführende Literatur und über die einzelnen Stolperstein-Arbeitsgemeinschaften und -Initiativen.

Die App hat außerdem eine Gedenkfunktion. Mithilfe von Augmented Reality lässt sich eine virtuelle Kerze am Stolperstein platzieren. Sie kann mit einer Gedenkbotschaft und dem eigenen Namen versehen werden.

Die App kann kostenlos im App Store und im Google Play Store heruntergeladen werden.

Bundesweites Projekt

„Stolpersteine Digital“ ist ein bundesweites Projekt der Zentralen für politische Bildung. Initiiert hat es der Landesbeauftragte für politische Bildung in Schleswig-Holstein, Christian Meyer-Heidemann.

„Stolpersteine sind das größte dezentrale Mahnmal im Zusammenhang mit den Menschheitsverbrechen des Nationalsozialismus. Ich freue mich sehr, dass unsere App nun auch den saarländischen Bürgerinnen und Bürgern zur Verfügung steht.“

Meyer-Heidemann sagte weiter

„Das Saarland ist neben Schleswig-Holstein das zweite Bundesland, das mit allen Stolpersteinen in der App vertreten ist. Mit der Ausweitung der App halten wir die Erinnerung an die Lebens- und Leidensgeschichten der vielen Opfer des Nationalsozialismus in ganz Deutschland wach.“

Er dankte der Bundeszentrale für politische Bildung für die finanzielle Förderung des Projekts. Auch der saarländischen Landeszentrale für politische Bildung und allen ehrenamtlichen Stolperstein-Initiativen im Saarland dankte er für die enge und produktive Kooperation bei der inhaltlichen Erweiterung der App.

Aufnahme der Stolpersteine

Nach Angaben der Bildungs- und Kulturministerin des Saarlandes, Christine Streichert-Clivot, wurden alle seit 2007 im Saarland verlegten Stolpersteine von der Landeszentrale für politische Bildung innerhalb eines halben Jahres in die App aufgenommen. Es handelt sich um rund 600 Steine. Streichert-Clivot sagte:

„Hinter jedem Stolperstein steht ein Mensch mit einer eigenen Geschichte, mit Hoffnungen und Träumen. Diese Menschen waren unsere Nachbarinnen und Nachbarn.“

Die Aufnahme sei nur mit Unterstützung und großem Einsatz der ehrenamtlich Engagierten möglich gewesen. Sie seien als Mitglieder der Zivilgesellschaft der Motor der Erinnerungsarbeit.

Stolperstein-Arbeitsgemeinschaften oder -Initiativen gibt es laut der Ministerin unter anderem in Schulen, außerschulischen Bildungseinrichtungen, Geschichtswerkstätten, Historischen Vereinen und Jugendeinrichtungen. Häufig arbeiteten sie eng mit Regional- und Lokalhistorikerinnen und -historikern sowie mit Landes-, Stadt- und Gemeindearchiven zusammen.

Die App mache die Arbeit der Initiativen sichtbar, so Streichert-Clivot. Sie biete der ehrenamtlich erbrachten Erinnerungsarbeit ein Forum auf nationaler wie internationaler Ebene.

Zugang für junge Menschen

Zur Bedeutung für junge Menschen sagte die Ministerin

„Gerade jungen Menschen eröffnet die App einen weiteren Zugang zur Geschichte ihres eigenen Wohnortes. Daraus können Fragen entstehen, Gespräche und die Bereitschaft, selbst Verantwortung zu übernehmen. Denn Erinnern geht uns alle an. Es fordert uns auf, hinzusehen und zu widersprechen, wenn Menschen ausgegrenzt werden. Antisemitismus, Rassismus und Menschenfeindlichkeit dürfen in unserer Gesellschaft keinen Platz haben. Unsere Demokratie lebt davon, dass wir die Würde jedes Menschen schützen – jeden Tag.“

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