Die Stadt Homburg lädt gemeinsam mit den christlichen Kirchen zu einer Gedenkveranstaltung anlässlich der Reichspogromnacht von 1938 ein. Sie beginnt am Montag, 9. November, um 16 Uhr in der protestantischen Stadtkirche Homburg in der Kirchenstraße.
Nach Angaben der Stadt stehen die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus, das Schicksal der jüdischen Bevölkerung und die Verantwortung im Mittelpunkt, sich auch heute für Demokratie, Freiheit und ein friedliches Zusammenleben einzusetzen. Die Veranstaltung richtet sich an alle Menschen, die sich einer demokratischen und offenen Gesellschaft verpflichtet fühlen. Das Gedenken soll nach Angaben der Stadt zugleich ein Zeichen gegen Antisemitismus, Rassismus und jede Form menschenverachtenden Denkens und Handelns setzen.
Lesung aus Holocaust-Tagebüchern
Schwerpunkt ist eine Lesung aus dem Buch „Der papierne Freund. Holocaust-Tagebücher jüdischer Kinder und Jugendlicher“. Weil lebende Zeitzeuginnen und Zeitzeugen zunehmend seltener zur Verfügung stehen, kommen Homburger Schülerinnen und Schüler stellvertretend für die Verfolgten und Ermordeten zu Wort. Die persönlichen Erfahrungen junger Menschen während der nationalsozialistischen Verfolgung sollen so erfahrbar werden.
Herausgeber Wolf Kaiser hat in dem Band Tagebucheinträge jüdischer Kinder und Jugendlicher zusammengetragen. Sie entstanden unter anderem auf der Flucht, in Verstecken, in Ghettos und in Lagern. Kaiser übertrug sie erstmals ins Deutsche. Die Lesung soll nach Angaben der Stadt dazu beitragen, die Erfahrungen der jungen Verfasserinnen und Verfasser vor dem Vergessen zu bewahren und jüngeren Generationen einen Zugang zur Geschichte des Holocaust zu eröffnen.
Mitwirkende und Veranstalter
An der Gestaltung wirken Schülerinnen und Schüler der Arbeitsgemeinschaft „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ des Saarpfalz-Gymnasiums mit. Das Programm ergänzen:
- musikalische Beiträge des Chors des Saarpfalz-Gymnasiums
- die Konfirmandengruppe der protestantischen Kirchengemeinde Homburg
Ausgerichtet wird die Veranstaltung von den christlichen Kirchen, dem städtischen Kinder- und Jugendbüro und dem Stadtarchiv.
Schweigegang zur Synagogenruine
Im Anschluss an die Gedenkfeier gehen die Teilnehmenden in gemeinsamem Schweigen zur Ruine der ehemaligen Synagoge in der Klosterstraße. Dort hält Nathalie Kroj, städtische Beigeordnete für Jugend, Nachhaltigkeit und Tierschutz, eine Ansprache. Die ehemalige Synagoge ist bereits im Laufe des Tages für ein persönliches, stilles Gedenken geöffnet.
Hintergrund
Am 9. November 1938 erreichte die systematische Verfolgung der jüdischen Bevölkerung durch das nationalsozialistische Regime eine neue Eskalationsstufe. In ganz Deutschland wurden Synagogen geschändet und in Brand gesetzt, Wohnungen und Geschäfte jüdischer Bürgerinnen und Bürger verwüstet. Jüdische Menschen wurden misshandelt, verschleppt und ermordet. Die Novemberpogrome markierten einen entscheidenden Schritt auf dem Weg zum systematischen Völkermord an den europäischen Jüdinnen und Juden, dem im Holocaust sechs Millionen Menschen zum Opfer fielen. Auch jüdische Familien in Homburg waren laut Mitteilung von Verfolgung und Entrechtung betroffen.



