Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot hat an der Grundschule Wellesweiler in Neunkirchen ein Sprachförderangebot besucht. Nach Angaben des Ministeriums nahm sie dort an einer gemeinsamen Sprachfördereinheit teil. Das Angebot gehört zum saarländischen Programm „Startklar Deutsch – alle Chancen für alle Kinder“.
Ersatzangebot für Kinder ohne Kita-Platz
Die Grundschule Wellesweiler ist eine von 28 Schulen, die an der Modellphase von „Startklar Deutsch“ teilnehmen. Das Ersatzangebot richtet sich an Kinder mit festgestelltem Sprachförderbedarf, die keinen Kita-Platz haben. Es ist im September 2026 gestartet und wird vom Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) getragen. Das Ministerium für Bildung und Kultur finanziert es.
Derzeit nehmen vier Kinder teil. Ihren Sprachstand hatte die Schule bei der Anmeldung mithilfe der „Wuschel-App“ erhoben. Dabei wurde der Förderbedarf festgestellt. Im Ersatzangebot wird die Sprachförderung durch Lehrkräfte mit einer pädagogischen Begleitung verbunden. Die Kinder erweitern nach Angaben des Ministeriums beim gemeinsamen Spielen, Entdecken und Lernen ihren Wortschatz und werden auf den Schulalltag vorbereitet.
Brückenangebot am Standort
Die Ministerin besuchte außerdem das Brückenangebot der Schule. Es richtet sich an Kinder, die im Jahr vor der Einschulung keinen Kita-Platz erhalten haben, unabhängig von ihren sprachlichen Fähigkeiten. Derzeit nehmen drei Kinder teil. Der Landkreis Neunkirchen finanziert das Angebot.
Stimmen zum Besuch
Streichert-Clivot sagte
„Jedes Kind hat das Recht, gut vorbereitet in die Schule zu starten. Sprache ist dafür eine entscheidende Voraussetzung. Mit Startklar Deutsch erkennen wir frühzeitig, wo Unterstützung gebraucht wird, und fördern gezielt. Das Angebot hier in Wellesweiler zeigt, wie wir auch Kinder erreichen, die bislang keine Kita besuchen. Denn Bildungschancen dürfen nicht davon abhängen, ob ein Kind einen Kita-Platz hat. Kein Kind soll am ersten Schultag schweigen müssen, weil ihm die Worte fehlen. Wir wollen, dass alle Kinder ihre Fähigkeiten entfalten und mit Selbstvertrauen in ihre Schulzeit starten können.“
Lukas Münninghoff, Geschäftsführer der gemeinnützigen Gesellschaft für Sozialeinrichtungen des ASB mbH, sagte:
„Sprache ist der Schlüssel zu Bildung und gesellschaftlicher Teilhabe. Deshalb ist es wichtig, Kinder mit Förderbedarf in der deutschen Sprache möglichst frühzeitig zu unterstützen und ihnen einen guten Start in ihre Schullaufbahn zu ermöglichen. Als Teil des Arbeiter-Samariter-Bundes leisten wir hierzu gerne unseren Beitrag und bringen unsere langjährige Erfahrung und pädagogische Kompetenz in die Zusammenarbeit mit dem Bildungsministerium, dem Landkreis Neunkirchen, der Kreisstadt Neunkirchen als Schulträger und der Grundschule Wellesweiler ein.“
Schulleiterin Petra Peifer sagte
„Kinder dürfen nicht aufgrund ihrer Lebensumstände mit schlechteren Startbedingungen in die Schule kommen. Wir erleben immer wieder Kinder, die vor ihrem Schuleintritt kaum oder gar keine Möglichkeit hatten, eine Kindertageseinrichtung zu besuchen. Und genau hier setzt Startklar Deutsch an. Dabei geht es natürlich um Sprache – aber eben um sehr viel mehr. Es geht um soziale Kompetenzen, Selbstständigkeit, Konzentration, Motorik, Arbeitsweisen, Regeln und Rituale. Wir können die Kinder frühzeitig kennenlernen, Beziehungen aufbauen, Vertrauen schaffen und ihnen einen ersten Zugang zu Schule ermöglichen.“
Hintergrund zu „Startklar Deutsch“
Mit dem Programm baut das Saarland nach Angaben des Ministeriums die frühe Sprachförderung aus. Es wird derzeit an 28 Grundschulen und 89 Kitas erprobt.
Das Verfahren sieht laut Mitteilung folgende Schritte vor
- Bereits zwei Jahre vor der Einschulung werden die sprachlichen Kompetenzen der Kinder mit der digitalen „Wuschel-App“ erfasst.
- Im letzten Jahr vor der Einschulung erhalten Kinder mit festgestelltem Bedarf eine gezielte Sprachförderung.
- Für Kinder ohne Kita-Platz werden Ersatzangebote eingerichtet.
Weitere Ersatzangebote sind neben Wellesweiler in Neunkirchen-Steinwald und Saarlouis-Roden gestartet. Ein zusätzlicher Standort in Völklingen ist für November vorgesehen. Ab August 2028 soll „Startklar Deutsch“ verbindlich umgesetzt werden.



